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Mein China

Unser Kinderreporter Jannik Lage hat drei Jahre mit seinen Eltern in China, in der Stadt Wuxi, die auch zur Jiangsu Provinz gehört, gelebt. Auf der Kinderseite berichtet er über das Leben in China – zum Beispiel hat er seinen chinesischen Freund Li in die Schule begleitet. Hier könnt ihr lesen, wie man in China schreibt, spricht, isst von A nach B kommt und Weihnachten feiert.


Sprache und Schrift
In China wird meist Mandarin (Hochchinesisch) gesprochen, aber es gibt auch ganz viele verschiedene Dialekte. Die Stadt in der ich gelebt habe, Wuxi, ist nur 120 km von Shanghai entfernt, aber der dortige Dialekt unterscheidet sich von dem in Shanghai, so stark, wie Deutsch und Englisch.
In China gibt es viele tausend Schriftzeichen, statt 26 Buchstaben im Alphabet. Will man dort ein Straßenschild lesen, muss man die Schriftzeichen können. In den großen Städten gibt es inzwischen auch Straßenschilder in Pinyin. Pinyin ist die Übersetzung der chinesischen Schriftzeichen in unsere (lateinischen) Buchstaben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man dann auch nach dem Weg fragen kann. Wenn man nämlich die fünf Töne im Chinesischen falsch ausspricht, dann kann die Bedeutung plötzlich eine völlig andere sein. Das führt manchmal zu lustigen oder verwirrenden Situationen. Die Sprache zu lernen ist also eine Sache, sie Lesen und Schreiben zu können, eine völlig andere. Wenn man in China lebt, kann man nicht mal eine Tageszeitung lesen. Den Nachrichtensprecher versteht man in der ersten Zeit auch nicht. Da ist es für uns Kinder bei Comicserien schon einfacher. Durch die vielen Bilder.
Wenn man mit dem Taxi irgendwohin möchte, muss man dem Fahrer den chinesischen Namen sagen können. Selbst Eigennamen (z.B.: Hotelnamen, Bürogebäude, Plätze) sind anders. Taxi fahren ist, für unsere Verhältnisse, sehr günstig. Eine Fahrt zum Beispiel vom Brandenburger Tor bis zum KaDeWe würde in China ungefähr zwei Euro kosten. Mit dem Bus 10 Cent.
Wenn man nicht oder nicht gut genug chinesisch kann, gibt es Karteikarten, da stehen die wichtigsten Orte der Stadt drauf und die zeigt man dem Taxifahrer dann.

Verkehr
Bus oder U-Bahn fahren ist manchmal schrecklich. Es gibt Zeiten da ist es so voll, das man ganz gequetscht stehen muss. In China sind auch die Straßen fast immer überfüllt. Da ist ständig Stau. Auto an Auto, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger – alle wuseln durcheinander. Und überall wird gehupt. Wenn man in China über die Straße will, muss man einfach losgehen. Aber auch gut aufpassen, weil kaum ein Auto anhält. Straßenregeln wie bei uns gibt es, aber es ist zu voll, als das man sich immer darum kümmern könnte.

Weihnachten in China
Die Chinesen kennen kein Weihnachten, was klar ist, weil es ja ein christliches Fest ist. Trotzdem gibt es ein paar Wochen vorher in jedem Geschäft üppige Weihnachtsdekorationen und aus jedem Lautsprecher (und davon gibt es viele in China) hört man Weihnachtslieder. Es gibt künstliche Weihnachtsbäume in fast allen Größen und blinkende! Lichterketten in allen Farben. Und die Geschäfte sind voll. Warum? Weil die Chinesen gerne einkaufen und da kommt Weihnachten gerade recht. Schnee gibt es dafür in manchen chinesischen Provinzen sehr selten.

Neujahr und andere Feste
Während meiner Zeit in China durfte ich jedes Jahr zweimal Neujahr feiern. Wie kann denn das sein, wollt ihr bestimmt wissen? Einmal Silvester in Deutschland, wie üblich. Und danach noch einmal in China, das Neujahrsfest. Es wird traditionell zwischen dem 21. Januar und 21. Februar, gefeiert. Da gibt es immer tolles Essen und großes Feuerwerk überall. Das Neujahrsfest in China ist ein Familienfest. Aus allen Teilen des großen Landes reisen die Menschen in ihre Heimatstädte. In China gibt es einige Feste, die wir nicht kennen. Das Drachenbootfest oder das Mondfest. Die Städte werden mit vielen Lichtern und Lampions geschmückt, es werden Löwentänze gezeigt und es gibt Mondkuchen zu essen, der in der Provinz Jiangsu, wo ich gelebt habe, sehr süß ist. Zum Mondfest kommen die Familien zusammen. Die Chinesen feiern gern und immer gibt es ein Feuerwerk; auch um böse Geister zu vertreiben. Immer gibt es eine Legende zu diesen Festen.
Die Hochzeit ist das wichtigste Fest der Chinesen und wird riesengroß gefeiert. Geheiratet wird ursprünglich in Rot, das steht für eine gute Zukunft und Freude. Weiß dagegen, ist die Farbe der Trauer. Inzwischen hat sich das aber in den großen Städten geändert und die Chinesen machen es den Europäern nach. Deshalb zieht sich die Braut öfters um und es gibt auch ein weißes Kleid, wie bei uns.
Essen
Das Essen in China ist nicht so exotisch, wie es manchmal scheinen mag. In China landen nicht ständig irgendwelche ungewöhnlichen Tiere auf dem Teller. Manchmal gibt es zwar Besonderheiten, die auch als Zeichen für Reichtum gewertet werden. Man sollte dann zumindestens probieren, um nicht beleidigend zu sein. Ich habe sehr gern „Tigeraugen“ gegessen. Aber keine Angst, es handelt sich dabei einfach um eine süße, leckere Frucht. Ansonsten kann man Reis und Huhn und Fisch essen und das ist manchmal ganz anders zubereitet als beim Chinesen um die Ecke, hier in Berlin. In manchen Regionen gibt es sogar so etwas wie Buletten. Mmmh, lecker.
Ach so, und uns sehr bekannte Fast Food Ketten, gibt es in den großen Städten natürlich auch. Bei manchen stehen die Chinesen am Wochenende sogar Schlange.
Ansonsten bekommt man in den großen Städten heute schon fast alle Lebensmittel, die wir so aus Europa kennen. Nur bei Brot wird es schwierig. Aber dafür gibt es die „Sky Bakery“ in Nanjing, da backt ein deutscher Bäcker, leckeres Vollkornbrot.
Tagesspiegel Online