Doof geboren?
Ach, Quatsch!„Doof geboren ist keiner“ – diesen Satz kennen vielleicht manche von euch. Er ist kurz und klingt irgendwie so einfach. Aber es steckt etwas ganz Tolles in dem Satz, eine Menge Wissen und Erkenntnis.
Denn dass kein Mensch unbegabt auf die Welt kommt, ist wirklich wahr. Wer was anderes behauptet, hat Unrecht. Manchmal sagen Leute, dass bestimmte Gruppen von Menschen von Geburt an sehr dumm, etwas dumm, etwas klug oder sehr klug seien. So ist es ganz und gar nicht. Aber wenn jemand nur vor dem Fernseher sitzen würde, weil keine Schule da wäre und es keine Freunde gäbe, würde er fast nichts lernen. Er könnte nicht lesen und schreiben, nicht mit anderen sprechen und spielen. Das würde daran liegen, dass in den Kopf und ins Herz nichts hineinkommt, was klug und vergnügt macht.
Jedes Menschenkind kann im Leben etwas lernen und verstehen, ganz egal, ob es Leon oder Levent heißt, Tarika oder Tanja. Genauso egal ist es, welche Religion jemand hat oder ob er lieber an die Menschenrechte glaubt als an einen Gott. All das sagt nichts über das Wichtigste aus: Ob ein Mensch freundlich ist, gerecht, fantasievoll, hilfsbereit und vieles mehr. Jeder von uns ist etwas ganz Besonderes. Jeder hat ein ganz eigenes Ich. Das Ich ist wie ein Kern, aus dem heraus sich der ganze Mensch entwickelt. Wenn ein Kern eingepflanzt wird, dann braucht er Wasser, Sonne, Nährstoffe. Genauso braucht jedes Kind Freundlichkeit, Essen, Trinken und kluge Erwachsene, die ihm etwas von der Welt erklären. Dann hat das Kind Lust zu lernen, mit anderen zu reden und zu spielen. So können wir selber herausfinden, wer wir sind. Niemand darf uns ein Etikett aufkleben und sagen: Weil du dick oder dünn, Junge oder Mädchen, Moslem oder Christ bist, darum bist du blöd!
So geht übrigens der ganze Song aus dem Gripstheater: „Doof geboren ist keiner! Doof wird man gemacht. Und wer behauptet doof bleibt doof, der hat nicht nachgedacht.“ Das könnt ihr jedem sagen, der was anderes behauptet.
Caroline Fetscher
