Die reinsten Schnäppchen
Im Fußball können 15 Millionen billig seinGestern hat die Bundesliga-Saison begonnen. Es ist einiges anders geworden. Mit dem Spanier Raúl, dem ehemaligen Kapitän von Real Madrid, hat die Liga einen neuen Star. Er ist zu Schalke 04 gewechselt und gibt heute Abend sein Debüt gegen den Hamburger SV.
Dafür müssen die deutschen Fans auf zwei junge deutsche WM-Stars verzichten: Sami Khedira und Mesut Özil spielen jetzt für Real Madrid. Mit dem Wechsel wurden sie für ihre Leistungen bei der WM belohnt. Aber nicht nur deshalb wollte der neue Real-Trainer Jose Mourinho, der kürzlich mit Inter Mailand die Champions League gewann, die beiden Deutschen unbedingt haben – sie waren auch verdammt preisgünstig. Gut, Real zahlte wohl 14 Millionen Euro an den VfB Stuttgart für Khedira und 15 Millionen an Werder Bremen für Özil – das sind fast unvorstellbar hohe Summen.
Aber im internationalen Vergleich sind die beiden die reinsten Schnäppchen. Für den Argentinier Angel di Maria gab Madrid kürzlich 25 Millionen Euro aus, im vergangenen Jahr für Cristiano Ronaldo 94 Millionen Euro, für Kaká 65 Millionen und sogar für den erfolglosen Franzosen Benzema 35 Millionen. In England wechselte gerade James Milner, ein unscheinbares Mitglied des enttäuschenden englischen WM-Teams, für rund 30 Millionen Euro von Aston Villa zu Manchester City.
In Deutschland sind solche Summen selten, am ehesten könnte sie der FC Bayern München zahlen, weil er Jahrzehnte gut gewirtschaftet hat. Bei uns gelten strengere Regeln als in anderen Ländern: Vereine dürfen sich nicht unbegrenzt verschulden und Milliardäre nicht einfach einen Club kaufen. Für Werder Bremen und den VfB Stuttgart sind die Summen für Özil und Khedira daher viel Geld.
Für die Spieler könnten sie ein Nachteil werden, denn in der Welt der internationalen Superstars zählen auch die Ablösesummen. Man kann sich vorstellen, wie die neuen Kollegen in der Kabine sagen: „Was, du hast bloß 15 Millionen gekostet? Du kannst gar nicht so gut sein wie ich!“
Jan Schröder
