Zirp! Zb! Schrumm! Knarr!
Die Heuschrecken sind los!Jetzt hüpfen sie wieder: Warzenbeißer, Sumpfschrecken, Weinhähnchen, Grashüpfer, Plumpschrecken, Feldgrillen, Heupferde oder Zwitscherschrecken … Die Liste der Heuschrecken, die bei uns vorkommen, ist ganz schön lang. Etwa 85 verschiedene Arten leben in Deutschland, 40 davon auch in Berlin. Mal dick und pummelig, mal zart und lang gestreckt krabbeln die ausgewachsenen Tiere seit ein paar Wochen über unsere Wiesen, sitzen in Bäumen und Sträuchern oder graben sich – wie die Maulwurfsgrille – ins Erdreich ein.
Heuschrecken sind Insekten und nah verwandt mit Fangschrecken, Schaben und – man glaubt es kaum – Ohrwürmern. Sie haben sechs Beine, zwei Fühler und oft große, manchmal sogar bunte Flügel. Ihre Augen bestehen aus vielen hundert Einzelaugen, und die Hörorgane sitzen nicht etwa am Kopf – nein, je nach Art nehmen Heuschrecken Geräusche zum Beispiel am Bauch, an den Beinen oder gar am Knie wahr. Besonders auffällig sind die langen Hinterbeine. Droht Gefahr, springen Heuschrecken einfach davon. Ihre kräftigen Schenkel geben ihnen dabei den nötigen Schwung. Zupp! Ein bis zwei Meter weite Sprünge sind selbst für kleinere Heuschrecken kein Problem. Reicht das nicht, verlängern die Tiere den Sprung, indem sie die Flügel ausbreiten und ein paar Meter fliegen – hungrige Eidechsen, Mäuse oder Igel kommen da kaum noch hinterher.
Auch das Große (Grüne) Heupferd ergreift auf diese Weise die Flucht. Es kann zwar bis zu 100 Meter weit fliegen, aber Heupferde sind wie die meisten ihrer Verwandten äußerst flugfaul. Lieber stakst es auf seinen langen Beinen durchs hohe Gras, schnappt sich hier und da ein anderes Insekt oder knabbert ein paar Blattläuse. Weil Heupferde prima in unseren Gärten zurechtkommen, krabbeln sie auf der Suche nach Nahrung auch schon einmal in eine Wohnung. Welch ein Schreck für die Menschen dort! Denn für ein heimisches Insekt sind Große Heupferde einfach riesig. Sechs bis acht Stubenfliegen hintereinander ist allein der Körper lang – dazu die Flügel und die langen Beine. Das kann tatsächlich Furcht einflößen.
Angst muss man vor den Heupferden trotzdem nicht haben. Die Tiere können zwar kräftig zubeißen, doch das geschieht nur äußerst selten. Wer sich traut, der kann die riesigen Schrecken sogar durch seine Körperwärme auf die Hand locken. Die meisten Heuschrecken lieben es nämlich warm und wagen sich dafür sogar auf die Hand eines Menschen. Übrigens: Weibliche Große Heupferde haben einen fürchterlich langen Stachel am Hinterleib. Stechen werden sie euch damit nicht: Der Stachel ist ein Legestachel. Mit ihm legt das Weibchen die Eier in die Erde.
Auch andere Heuschreckenweibchen haben solche Stachel. Naht der Winter, setzen die Schrecken ihre Eier ab. Manche beißen auch ein Loch in weiche Baumrinde oder Pflanzenstängel und legen die Eier dort hinein. Im nächsten Frühjahr schlüpfen aus den Eiern neue Miniheuschrecken, die sich mehrmals häuten, bis sie ausgewachsen sind.
Der Gesang der Schrecken
Wenn ihr im August auf einer Wiese seid steht, könnt ihr die Heuschrecken nicht überhören: Sie schwirren und rasseln, zirpen und klicken, was das Zeug hält. Dabei hat jede Art ihren eigenen Gesang. Sumpfschrecken klingen wie ein Fingerschnippen, während der Gesang des Großen Heupferdes eher einem startenden Modellhubschrauber ähnelt und Eichenschrecken so leise Töne von sich geben, dass man ein spezielles Gerät braucht, um sie zu hören. Heuschrecken erzeugen die Töne auf ganz unterschiedliche Weise. Grillen reiben zum Beispiel ihre Vorderflügel aneinander, Grashüpfer streichen mit ihren Hinterbeinen über die Flügel und Eichenschrecken trommeln einfach mit ihren Hinterbeinen auf den Untergrund. Knarrschrecken machen es ganz besonders: Sie reiben ihre Oberkiefer aneinander. Ob schreckliches Zähneknirschen, Rasseln oder Beineschleudern – Heuschrecken singen nur bei Wärme gut. Morgens genießen die Insekten deshalb erst einmal ein ausgiebiges Sonnenbad.
Julia Thurau
