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Wieder Dritter!

Das deutsche Team fährt mit einem Erfolg nach Hause

Wenn jemand vor dem Turnier gesagt hatte, dass die deutsche Mannschaft die Weltmeisterschaft wie schon vor vier Jahren auf dem dritten Platz beenden würde, hielten ihn die meisten für einen unverbesserlichen Optimisten. Dem jungen Team wurde nicht viel zugetraut. Und als Kapitän Michael Ballack sich verletzte, glaubten viele, dass die Mannschaft nun erst recht kaum eine Chance haben würde, weit zu kommen.

Doch alle Befürchtungen waren unbegründet: Die Nationalmannschaft spielte großartigem Fußball und lieferte mit dem 4-1 gegen England und dem 4-0 gegen Argentinien zwei Spiele ab, an die man sich noch in Jahrzehnten erinnern wird. Es war ein tolles Turnier, aber kein perfektes. Schon bei der 0-1-Niederlage gegen Serbien, an die sich kaum noch jemand erinnern mag, zeigte das Team, dass es Schwächen hat. Und beim 0-1 gegen Spanien im Halbfinale wurden ihm ganz deutlich die Grenzen aufgezeigt.

So ging es also gestern gegen Uruguay um den dritten Platz. Für die Südamerikaner war das etwas Besonderes, hatten sie doch schon seit Ewigkeiten bei einer Weltmeisterschaft nicht mehr so gut abgeschnitten. Für die Deutschen ging es hingegen nur noch darum, einen versöhnlichen Abschluss zu erreichen. Bei den letzten drei großen Turnieren sind sie nun kurz vor dem großen Ziel gescheitert: 2006 waren sie bei der WM ebenfalls Dritter, bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren scheiterten sie im Finale an Spanien.

Und so fehlte gegen Uruguay auch die letzte Konzentration. Außerdem waren mit Philipp Lahm und Miroslav Klose wichtige Spieler nicht dabei. Dass sie fehlten, war deutlich zu merken. Dagegen fiel kaum auf, dass Torwart Manuel Neuer nur auf der Bank saß und stattdessen Hans-Jörg Butt spielte. Der kam im stolzen Alter von 36 Jahren zu seinem ersten Einsatz bei einer Weltmeisterschaft und machte seine Sache sehr gut. Insgesamt spielten die Deutschen wenig überzeugend und ihnen unterliefen viele Fehler. Die Uruguayer zeigten hingegen, dass sie unbedingt gewinnen wollten. Als ihr Star Diego Forlan sie mit 2-1 in Führung gebracht hatte, schienen die Südamerikaner fast am Ziel zu sein.

Doch dann rissen sich die Deutschen noch einmal zusammen und schafften durch Tore von Marcell Jansen und Sami Khedira doch den Sieg. Und so konnte die Mannschaft am Ende jubeln. Noch mehr Grund zur Freude könnte es heute geben: Im Moment steht Thomas Müller zusammen mit Diego Forlan, David Villa und Wesley Sneijder mit fünf Treffern auf dem ersten Platz der Torjägerliste. Außerdem ist der 20-Jährige der große Favorit auf den Preis für den besten Nachwuchsspieler des Turniers.

Jan Schröder

Tagesspiegel Online