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Leuchtende Türme

Sie senden Blinklichter über das Meer, damit die Seeleute auch bei Nacht die Küste erkennen können

Seit Wochen sind sie schon auf hoher See. Immer wieder mussten die Handelsleute meterhohe Wellen überstehen, so dass sogar den Seemännern übel wurde. „Wann kommt denn endlich der Hafen?“, fragten sie stöhnend ihren Kapitän. Laut Karte müsste er bald da sein, aber es ist stockduster. Doch da, am Horizont flackert ein Licht. Die Küste, endlich!

Leuchttürme und Leuchtfeuer waren immer wieder die letzte Rettung für Seeleute. Bei gutem Wetter konnte man die Küste tagsüber schon von weitem sehen, doch nachts oder bei Nebel waren die Lichtzeichen sehr wichtig zur Orientierung. Schiffe können nicht überall anlegen, weil es an vielen Stellen Untiefen gibt, zum Beispiel flache Sandbänke am Meeresgrund, oder gefährliche Felsen, die die Schiffe aufreißen.

Seit Beginn der Seefahrt versuchten die Küstenbewohner, Fischern und Handelsleuten den richtigen Weg mit Lagerfeuern oder Fackeln zu weisen. Der allererste Leuchtturm soll vor rund 2300 Jahren auf der kleinen Insel Pharos erbaut worden sein. Sie liegt vor der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Schon damals war Alexandria eine wichtige Handelsstadt an der Mittelmeerküste. Der riesige Leuchtturm war aber nicht rot-weiß geringelt wie die in Norddeutschland, sondern glich eher einem Hochhaus. Wissenschaftler sagen, der Turm sei zwischen knapp 100 und 160 Metern hoch gewesen.

Der Große Leuchtturm von Alexandria war eines der sieben Weltwunder und gilt als Vorbild der heutigen Leuchttürme. Das antike Weltwunder überstand einige See- und Erdbeben, doch vor fast 700 Jahren wurde es endgültig zerstört. Nur wenige Städte hatten das Geld, so riesige Leuchttürme zu bauen, oft gab es einfache Holztürme oder Steinbauten. War der Boden an der Küste zu weich, errichtete man sie auf nahe gelegenen Inseln, wo sie Wind und Wetter trotzten.

Anfangs sandten die Leuchtturmwärter die Signale durch offene Feuer, später gab es große Laternen mit Kerzen und Öllampen mit Spiegeln, deren Lichtstrahl selbst in zehn Kilometern Entfernung zu sehen war. Um 1820 entwickelte Augustin Jean Fresnel besondere Linsen, die es möglich machten, das Licht besser zu bündeln. So konnte man die Leuchtfeuer 40 Kilometer weit sehen.
 
Die Seefahrer hätten sich bestimmt über einen so netten Leuchtturm wie Herrn Tur Tur gefreut. Der Scheinriese aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist der lebendige Leuchtturm für Lummerland, damit der Postbote nicht mehr mit seinem Schiff gegen die Insel prallt. Herrn Tur Tur konnte man immer vertrauen, doch im echten Leben mussten die Handelsleute vorsichtiger sein, wenn sie sich einer Küste näherten.

Denn bevor es die steinernen Leuchttürme wie den auf der norddeutschen Insel Amrum gab (er wurde 1875 erbaut), lockten Strandräuber Schiffe schon mal mit falschen Leuchtfeuern zu gefährlichen Stellen. Dort kenterten die Schiffe, und wenn ihre Ladung an Land trieb, gehörte sie laut Strandrecht dem Besitzer des Landes oder dem Finder. Ganz schön fies – doch die Küstenbewohner waren arm und konnten wertvolles Strandgut immer brauchen.

Der rot-weiße Amrumer Leuchtturm ist einer der schönsten Deutschlands, und mit knapp 42 Metern ist er auch recht hoch. Entlang der gesamten Nord- und Ostsee gibt es rund hundert dieser alten Seezeichen. Jeder Turm sieht anders aus, damit man ihn von anderen unterscheiden kann. Auch die Leuchtsignale sind einzigartig – sie blinken in einer bestimmten Abfolge und Farbe. All das wird in den Seekarten vermerkt. So weiß jeder Kapitän, selbst wenn er die Orientierung verliert, auf welchen Ort er zusteuert. Natürlich hilft längst die moderne Technik, wie Radar- und Satellitensysteme, beim Navigieren.

Sollten die Geräte doch mal ausfallen, sind die alten Türme eine gute Absicherung. Leuchtturmwärter wohnen dort nicht mehr, die Signale werden automatisch aus der Ferne gesteuert. Man könnte meinen, dass die Türme nun verlassen in der Gegend herumstehen, doch heute ist dort mehr los als früher: Einige werden als Wetterstation genutzt, andere sind für Besucher geöffnet, in manchen kann man sogar Urlaub machen oder heiraten.

Alva Gehrmann


Der Leuchturm Roter Sand in der Nordsee wurde 1885 fertig. Heute dient er nicht mehr als Leuchtfeuer, er ist außer Dienst und wird als Denkmal erhalten. Im Sommer kann man den Leuchtturm sogar für ein paar Tage mieten. Wenn das Wetter stürmisch ist, muss man so lange dort bleiben, bis die See sich wieder beruhigt hat.







Den Leuchturm Unterfeuer Wittenbergen in Hamburg kann man manchmal auch besichtigen.



Hier fährt der Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ in Bremerhaven an einem Leuchturm vorbei aus dem Hafen.


Das Cape-Hatteras-Lighthouse in North Carolina (USA) soll einige Meter ins Landesinnere umgesetzt werden.


Einen Leuchturm zu betreiben, wie diesen in Warnemünde, kostet rund 10 000 Euro pro Jahr.


Der Leuchtturm auf dem Dornbusch auf Hiddensee ist 28 Meter hoch.



Der Leuchtturm Hoheweg steht auf einer Sandbank in der Nordsee

Tagesspiegel Online