Der Neue
Christian Wulff ist BundespräsidentDer neue Bundespräsident heißt Christian Wulff, seine Partei ist die CDU. Mit 52 Jahren ist er der bislang jüngste Präsident der Bundesrepublik Deutschland.
Bundespräsident ist ein wichtiges Amt. Er muss bei jedem Gesetz prüfen, ob der Bundestag es korrekt beschlossen hat. Er verleiht Orden und empfängt Botschafter anderer Länder. Er schließt mit anderen Staaten Verträge. Man sagt deshalb, er sei das Staatsoberhaupt. Nicht der Chef, der entscheidet, wie Kanzlerin Merkel und ihre Minister, sondern einer, der Deutschland überall vertritt und viele Hände schüttelt, zu Hause und in der Welt. So jemanden nennt man einen Repräsentanten.
Gewählt worden ist Wulff von der Bundesversammlung. Das sind mehr als 1000 Leute, die nur für diese Wahl zusammenkommen. Die eine Hälfte sind vom Volk gewählte Politiker des Bundestags, die andere Hälfte kommt aus den Bundesländern.
Viele sagen: Das Volk soll den Bundespräsidenten direkt wählen! Dann wäre es vielleicht der allseits beliebte Joachim Gauck geworden. Das klingt zunächst toll, aber man sollte an die Folgen denken. Ein direkt gewählter Präsident würde sich, die Stimmen des Volkes im Rücken, stärker in die tägliche Politik einmischen. Da hat er aber nichts zu suchen, er ist ja Repräsentant! Repräsentanten mischen sich – wenn überhaupt – nur selten ein und dann nur bei wirklich wichtigen Sachen.
Viele sagen auch: Wulff ist brav und macht bloß, was Angela Merkel will. Fair ist das nicht. Wulff ist jemand, der klar und angenehm reden und unabhängig denken kann. Auch wenn es um Gefühle geht, trifft er den richtigen Ton, zum Beispiel als der Torwart Robert Enke starb. Das ist eine große Gabe und vielleicht das Wichtigste, was ein Präsident leisten muss: Den richtigen Ton treffen. Wulff hat alles, um ein guter Präsident zu werden. Vielleicht nicht mehr als das – aber auch nicht weniger.
Jost Müller-Neuhof
