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Die letzten Acht

Die Topfavoriten sind bei der WM noch dabei – aber es gibt auch Überraschungsteams

Das Achtelfinale brachte fast alles, was der Fußball zu bieten hat. Es gab packende Partien zwischen Mannschaften, die vorher kaum jemand auf der Rechnung hatte, schmucklose, aber souveräne Arbeitssiege der großen Favoriten Brasilien, Spanien und Argentinien, die grottenschlechte, aber wenigstens spannende Partie zwischen Paraguay und Japan mit dem ersten Elfmeterschießen des Turniers – und den glanzvollen Sieg der Deutschen gegen die Engländer.

Wie schon in der Vorrunde fielen die zahlreichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf. Die schlimmste war natürlich das nicht gegebene Tor des Engländers Frank Lampard im Spiel gegen Deutschland. Aber auch die Führungstreffer der Argentinier und Spanier entsprachen nicht den Regeln: Beide wurden von Spielern erzielt, die im Abseits standen. Das ist schade, denn diese Treffer sorgten dafür, dass die Partien danach ihre Spannung verloren, weil die Favoriten mit der Führung im Rücken ihre Vorteile eiskalt ausspielen konnten.

Ebenfalls auffällig ist, wie viele Weltstars bereits die Koffer packen mussten. Wayne Rooney, Franck Ribéry und Cristiano Ronaldo sind bereits nicht mehr dabei. Teams, die so stark von einzelnen Spielern abhängig sind, wie die Engländer, Franzosen und Portugiesen hatten bei dieser WM keine Chance. Stattdessen sind die ausgeglichen besetzten, taktisch guten Mannschaften erfolgreich. Das gilt vor allem für Uruguay und Ghana, aber auch für die Deutschen, die in den Partien gegen Australien und England bisher den schönsten Fußball aller Teams zeigten. Mit Thomas Müller und Mesut Özil stehen außerdem zwei Spieler in ihren Reihen, die erstmals an einem großen Turnier teilnehmen, aufgrund ihrer Leistungen aber schon bald echte Topstars werden könnten.

Favoriten sind aber die Mannschaften, die über erfahrene, überragende Einzelspieler verfügen und trotzdem als Einheit auftreten. Das sind vor allem die Brasilianer, aber auch die Niederländer. Beide zeigten bisher zwar nicht gerade begeisternden Fußball, aber sie mussten es auch gar nicht. Ihre souveränen, unspektakulären Leistungen reichten eben aus, um ins Viertelfinale zu kommen. Von beiden Teams kann man aber erwarten, dass sie noch einiges mehr können, als sie bisher gezeigt haben. Das müssen sie nun auch beweisen, denn ausgerechnet diese Mannschaften, die bisher den stärksten Eindruck machten, müssen am Freitag gegeneinander spielen. Das könnte schon so etwas wie das Finale sein.

Auch Deutschlands nächster Gegner Argentinien zeigte schon starke Leistungen. Vor allem im Angriff sind die Südamerikaner hervorragend besetzt. In der Abwehr verrieten sie aber Schwächen - ganz ähnlich wie das deutsche Team, also. Das Viertelfinale zwischen beiden Teams dürfte also spannend werden. Bleibt zu hoffen, dass der Schiedsrichter nicht wieder eine entscheidende Rolle spielt.

Jan Schröder
Tagesspiegel Online