Klick, klick, klick
Unser Kinderreporter Johann Schmidt, 12 Jahre, hat Berlin ganz neu für sich entdecktWas heißt eigentlich Stadt? Jeder blickt aus einem bestimmten Winkel auf seine Stadt, und jeder hat sein eigenes Bild von der Stadt im Kopf. Es ist nicht wichtig, wie bedeutend oder wie groß sie ist!
Die Agentur Ostkreuz, eine Vereinigung von 18 Fotografen, hat sich in den letzten Wochen vor dem Mauerfall gegründet und feiert jetzt ihren 20. Geburtstag. Anlässlich ihres Jubiläums haben die Künstler eine Ausstellung über das Thema „Die Stadt – vom Werden und Vergehen“ gemacht. Sie sind in 18 verschiedene Städte geflogen und haben dort verrottete Fabriken oder auch schicke Hochhäuser fotografiert. Diese Fotos haben sie bei der Galerie C/O Berlin ausgestellt, einer Art Museum für Fotografie und Design, das selber seinen zehnten Geburtstag feiert. Sie befindet sich im alten Postfuhramt, mitten in Mitte.
Beim Kinder-Workshop „Deine Bilder der Stadt“ durfte ich nicht nur die Fotos der „Ostkreuzler“ anschauen, sondern auch selber welche machen! Mit weiteren acht Kindern und den Leitern Frauke und Sebastian ging ich durch die verschiedenen Räume der Ausstellung und guckte, was mich interessierte. Da waren Fotos von reichen und modernen Städten, wie Dubai und Tokio, aber auch von sehr, sehr armen Städten, wie Manila mit vielen Elendsvierteln. Ein Bild hat mir besonders gut gefallen, nämlich das eines verrotteten Restaurants in Tschernobyl. Man sieht die menschenleere Stadt in der Ukraine nach der riesigen Explosion in einem Atomkraftwerk vor ungefähr 20 Jahren. Mitten im weiß gekachelten, vergammelten Restaurant ist eine kleine, zarte Birke zu sehen. Ich fand, das war ein schöner Kontrast, und es sah echt toll aus.
Nach unserem kleinen Rundgang gingen wir zurück in den C/O-Junior-Raum, besprachen was uns gefallen hat, und tauschten Ideen aus. Ich habe mich vor allem für Kontraste, also Unterschiede, interessiert. Die können zwischen arm und reich oder aber wie in Tschernobyl zwischen altem Schrott und neuem Leben sein. Die anderen Kinder hatten auch gute Ideen. Ein Junge, den ich dort kennengelernt habe, hat sich das Thema Bewegung in Berlin ausgesucht. Er hat die Füße von Leuten fotografiert oder Autos und Fahrräder. Andere haben sich mehr für Graffiti, Menschen bei der Arbeit oder Architektur interessiert.
Nachdem uns Frauke und Sebastian die Digitalkameras erklärt hatten, machten wir uns auf den Weg, Berlin zu entdecken. Unsere erste Station hieß „Tacheles“. Dort haben verschiedene Berliner Künstler aus Müll und Schrott Kunst gemacht. Ich habe ein Paar abgeschröddelte Chucks, die mal weiß waren und an einer langen Schnur über dem Eingang hingen, und eine Strandbar inmitten von Müll und Graffiti fotografiert. Danach sind wir durch die Friedrichstraße in Richtung Unter den Linden gegangen. Da ich vor allem für Kontraste interessiert habe, fotografierte ich eine bettelnde Frau vor einem Bonzenauto mit seinem viel zu dicken Besitzer. Leider wollte die Frau das nicht und drehte sich weg von uns, so dass mein Bild verwackelt war. Nachdem wir am Alex den Fernsehturm, das Rote Rathaus und den Neptunbrunnen fotografiert hatten, schauten wir uns im Postfuhramt unsere Fotos an und waren begeistert. Wir durften jeder unsere eigenen Werke auf CD mit nach Hause nehmen.
Solche Fotoworkshops veranstaltet C/O Berlin wieder ab September. Und ihr müsst unbedingt das Postfuhramt von innen und außen sehen. Echt cool!
Johann Schmidt
Informationen zu den Aktionen von C/O Berlin gibt es unter www.co-berlin.com
