Zapfenstreich
Tschüss, Herr Präsident!Wahrscheinlich habt ihr mitbekommen, dass Horst Köhler zurückgetreten ist. Seither sind die Politiker in Unruhe, und die Zeitungen berichten ständig. Köhler war Bundespräsident und hat sein Amt ganz unerwartet niedergelegt. Er hat zwei Minuten lang in sein Mikrofon gesprochen – und dann ist er einfach gegangen. Es war eine sehr kurze Rede für einen so wichtigen Mann, denn er war das Staatsoberhaupt, also der Chef des Landes.
Der Bundespräsident hat in bestimmten Fällen die Macht, das Parlament aufzulösen, damit das Volk neu wählen kann. Er muss alle neuen Gesetze unterschreiben. Wenn er das nicht tut, müssen die Politiker noch einmal darüber reden. Er soll Deutschland vertreten und seine Meinung zu wichtigen Themen mitteilen.
Genau das tat er Mitte Mai. Da ging es um den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan. Das ist ein Land in Asien, in dem Gewalt und Krieg herrschen. Köhler erklärte, dass unser Militär dort sei, damit die Menschen sicherer leben können. Dann sprach er über die Sicherheit des deutschen Handels in aller Welt. Dafür wurde er stark kritisiert, denn wenn wir Soldaten einsetzen würden, nur um mehr Geld zu verdienen, würden wir gegen das Grundgesetz handeln.
Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm den Bundespräsidenten nicht wirklich in Schutz. Da sagte Köhler, dass er sich nicht verstanden fühle und seinem Amt nicht genug Achtung entgegengebracht werde. Trotzdem meinen einige, dass Köhler ganz einfach keine Lust mehr hatte. Zu seinem Abschied spielte letzten Dienstag eine große Kapelle, und es marschierten Soldaten. Diese Feier nennt man den Großen Zapfenstreich.
Am 30. Juni wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Doch über den sind die Politiker sich zurzeit noch nicht richtig einig.
Paula Leocadia Pleiss, 15 Jahre
