Endlich Dramatik!
Die Schweizer schocken Top-Favorit SpanienBisher war ja wenig los bei dieser Weltmeisterschaft. Gut, die deutsche Mannschaft war hervorragend, aber in ihrem Spiel gegen Australien auch so überlegen, dass keine echte Spannung aufkam. Und an die übrigen Spiele, die bis gestern absolviert worden waren, wird man sich wahrscheinlich nicht lange erinnern.
Aber dann kam der erste Auftritt der Spanier, der besten Mannschaft der vergangenen Jahre. Dass es der große Tag der Schweizer werden würde, hatte vorher wirklich niemand gedacht. Was sollte das eher durchschnittliche Team, in dem viele gute, aber nicht überragende Bundesliga-Profis spielen, gegen die spanische Mannschaft schon ausrichten können? Wie wir jetzt wissen, sorgte es für die erste große Sensation des Turniers, die Schweizer gewannen 1-0. Dabei spielten auch die Spanier gar nicht einmal schlecht.
Ein Deutscher spielte bei der Überraschung eine entscheidende Rolle: Ottmar Hitzfeld, der Trainer der schweizerischen Mannschaft. Der zählt zu den klügsten Trainern weltweit und hat mit Borussia Dortmund und Bayern München bereits die Champions-League gewonnen. Offenbar hat Hitzfeld vor einigen Wochen gut aufgepasst, als Inter Mailand den FC Barcelona, bei dem viele spanische Nationalspieler beschäftigt sind, im Champions-League-Halbfinale besiegen konnte. Da wurde nämlich klar, wie man mit einer ausgefeilten Verteidigungsstrategie eine offensivstarke spanische Mannschaft ärgern kann. Und genau das wiederholte sich nun im Spiel zwischen den Spaniern und Schweizern.
Dabei standen im spanischen Teams Weltstars wie Xavi, Andres Iniesta oder David Villa, beim Gegner jedoch Leute wie Steve van Bergen, der gerade mit der Hertha abgestiegen ist. Doch die Schweizer ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, folgten genau ihrem Konzept und hatten am Ende das nötige Glück – und mit Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg einen hervorragenden Torhüter. Und weil die Spanier ebenfalls bis zum Schluss nicht aufgaben, entwickelte sich ein hervorragendes, furchtbar spannendes Spiel, das wieder einmal zeigte, wie interessant auch guter Defensivfußball sein kann. Die Spanier bleiben trotz des Fehlstars natürlich weiter einer der Top-Favoriten. So gut wie die Schweizer werden nicht viele Mannschaften gegen sie verteidigen. Aber viel wichtiger ist erst einmal, dass die WM endlich ein Spiel zu bieten hat, an das man noch lange denken wird.
Jan Schröder
