Der alte Herr
Fabio Cannavaro auf AbschiedstourStanden am Sonntag die Jungen im Mittelpunkt, waren es gestern Abend die etwas älteren Herrschaften. Und zwar nicht irgendwelche, sondern die amtierenden Weltmeister aus Italien. Anders als in Deutschland haben sich dort in den vergangenen vier Jahren keine großen Talente in den Vordergrund gespielt, und so prägen die Sieger von 2006 immer noch die Mannschaft. Die wird daher in manchen Zeitungen schon recht respektlos als „Rentnertruppe“ bezeichnet.
Der Anführer des Teams ist Fabio Cannavaro. Der elegante Innenverteidiger durfte vor vier Jahren als Kapitän den Weltmeisterpokal in den Berliner Nachthimmel heben. Kapitän der Italiener ist er immer noch. Aber mittlerweile ist er auch schon 36 Jahre alt. Dass er nicht mehr der Jüngste ist, konnte man gestern gegen Paraguay deutlich erkennen. Ein Fehler wie beim 1-0 der Südamerikaner, als er direkt neben dem Torschützen stand, aber nicht einmal zum Kopfball hochsprang, wäre ihm früher wahrscheinlich nicht unterlaufen.
In den vergangenen Jahren hatte sich der langsame Niedergang der Abwehr-Ikone schon abgezeichnet. Nach der WM 2006 wechselte er von Juventus Turin zu Real Madrid. Normalerweise verpflichtet der spanische Nobelclub, der immer versucht, für viel Geld die größten Stars einzukaufen, hauptsächlich Stürmer und offensive Mittelfeldspieler – in den vergangenen Jahren zum Beispiel Figo, Zidane, Beckham, Robben, Kaka oder Christiano Ronaldo. Die versprechen schließlich den spektakulären Fußball, den man in der spanischen Hauptstadt so liebt. Doch im Fall Cannavaro schien den Madrilenen auch einmal ein Verteidiger glanzvoll genug zu sein. Das zeigt, welches Ansehen der Italiener vor vier Jahren genoss. Damals wurde er sogar zum Weltfußballer des Jahres gekürt, ein Titel, der nur ganz selten an Abwehrspieler geht. Richtig glücklich wurde Cannavaro in Madrid aber nicht. Das lag nicht nur an ihm, sondern auch daran, dass die ganze Mannschaft oft nicht funktionierte.
Und so kehrte er vor einem Jahr zu Juventus Turin zurück. Dort konnte er aber auch nicht mehr an seine besten Zeiten anknüpfen. In der Nationalmannschaft wird er aber immer noch gebraucht, denn Italien hat im Moment keine besseren, gesunden Innenverteidiger zu bieten. Doch nun laufen die letzten Wochen der großen Karriere des in Neapel geborenen Altstars. Nach der Weltmeisterschaft will er nicht mehr im Nationalmannschaft spielen und auch bei Juventus Turin aufhören. Fußballspielen wird er aber noch ein wenig. Er wechselt zu Al Ahli, einem Verein im arabischen Dubai. Der gehört einem echten Scheich, der auch ehemaligen Weltstars noch viel Geld bezahlt, auch wenn sie für den ganz großen Fußball nicht mehr gut genug sind. So kann Cannavaro doch noch einmal von seinem großen Namen profitieren.
