Härtetest bestanden
Das junge deutsche Team setzt ein AusrufezeichenGut, die australische Nationalmannschaft zählt sicher nicht zur absoluten Weltklasse. Das ist nicht überraschend, sind doch Sportarten wie Rugby oder Cricket den Fans in Australien viel wichtiger als Fußball. Aber das Team hat durchaus einige Qualitäten, die der talentierten, aber unerfahrenen deutschen Mannschaft fehlen. Es besteht aus vielen routinierten Spielern, die älter sind als 30 Jahre, schon bei der letzten Weltmeisterschaft gespielt haben und ihr begrenztes fußballerisches Talent gerne durch körperliche Härte ausgleichen. Damit sind die Australier so ziemlich das Gegenteil des deutschen Teams, der jüngsten Mannschaft, die Deutschland seit 76 Jahren zu einer Weltmeisterschaft geschickt hat.
So konnte man gestern Abend vor dem Anpfiff schon ein wenig Angst um unsere Spieler haben. Und das Spiel hätte ja auch ganz anders laufen können, wenn die Australier ihre Riesentorchance in der vierten Minute genutzt hätten. Gut, dass Philipp Lahm den Schuss von Garcia abwehren konnte. Danach wurde aber schnell klar, dass das deutsche Team eben auch einige Vorteile hat. Vor allem Mesut Özil und Thomas Müller zeigten, dass sie nicht nur jünger und unerfahrener, sondern eben auch flinker und technisch besser sind als ihre australischen Gegenspieler. Und Lukas Podolski und Miroslav Klose, die in der Mannschaft zu den Routiniers zählen, aber für ihre Vereine zuletzt schlecht gespielt hatten, waren rechtzeitig zum WM-Auftakt wieder in Form. Sie schossen sogar die ersten beiden Tore.
Damit hatte das Team nach einer halben Stunde schon mehr erreicht als die Mannschaften aus Frankreich, Argentinien oder England, die in ihren ersten Spielen entweder gar kein oder nur ein einziges Tor erzielen konnten. Und es hätten in der ersten Halbzeit sogar noch mehr Treffer fallen können, so viel besser als die erfahrenen Australier waren die jungen Deutschen. Als dann noch der australische Superstar Tim Cahill, der in der ersten englischen Liga für den FC Everton spielt, mit einer ziemlich harten Roten Karte vom Platz musste, war das Spiel entschieden. Jetzt hatten die Deutschen noch mehr Freiräume, die sie mit ihrem schnellen, zielstrebigen Spiel ausnutzen konnten. Da war es nur logisch, dass sie – durch Thomas Müller und Cacau – noch zwei Tore erzielten.
Am Ende stand es bekanntlich 4-0, und den verletzten Michael Ballack vermisste eigentlich niemand mehr. Das junge deutsche Team, dessen Klasse vorher niemand so richtig einschätzen konnte, hatte mit schönem Fußball und vielen Toren für den ersten Höhepunkt des bisher doch recht mäßigen Turniers gesorgt.
Jan Schröder
