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Die Torwartkrise

Die Engländer haben ein altes Problem

Seit der Weltmeisterschaft 1966 haben die Engländer, die von sich behaupten, das Fußballspielen erfunden zu haben, kein großes Turnier mehr gewonnen. In Südafrika sollte nun alles besser werden. Dafür wurde mit dem Italiener Fabio Capello ein erfahrener Trainer verpflichtet, der bereits große Erfolge mit Clubs wie Juventus Turin oder Real Madrid vorweisen kann.

Doch ein Problem könnte den Engländern auch bei dieser WM den großen Erfolg vermasseln: Schon seit längerem schafft es das Mutterland des Fußballs nicht, einen vernünftigen Torhüter zu finden. Früher konnte sich England auf seine Keeper verlassen – etwa auf Gordon Banks, der im Weltmeisterteam von 1966 das Tor hütete, oder später auf sichere Schlussmänner wie Peter Shilton.

Doch diese Tradition war irgendwann zu Ende: David Seaman von Arsenal London stand von 1988 bis 2002 im Tor der Nationalmannschaft und war dabei gar nicht einmal schlecht – in Erinnerung bleiben aber seine Aussetzer. Bis heute wird ihm das Ausscheiden der Engländer bei der WM 2002 zur Last gelegt, weil er bei der Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale patzte. Ihm folgten unter anderem David James – dem gaben sie in England wegen seiner vielen Fehler den Spitznamen „Calamity James“, was auf Deutsch „Pannen-James“ bedeutet. Ein schwerer Patzer von Paul Robinson, der David James für eine Weile im Tor der Nationalmannschaft ablösen durfte, hatte dann großen Anteil daran, dass England sich für die Europameisterschaft 2008 gar nicht erst qualifizierte.

Coach Capello war dieses Problem natürlich bekannt. Daher überlegte er vor der WM lange, wen er ins Tor stellen sollte, denn einen wirklich überragenden Keeper hatte auch er vor dem Turnier nicht finden können. Das lag auch daran, dass englische Spitzenvereine wie Manchester United, Chelsea, Arsenal oder Liverpool seit Jahren auf ausländische Torhüter setzen. Er entschied sich schließlich für Robert Green, obwohl der mit seinem Londoner Verein West Ham United gerade nur ganz knapp dem Abstieg aus der ersten englischen Liga entronnen war.

Und was machte der im ersten Spiel gegen die USA? Er ließ einen harmlosen Fernschuss des Amerikaners Clint Dempsey passieren und sah dabei ehrlich gesagt ziemlich albern aus. Und so scheint bei den Engländern doch wieder alles beim Alten zu sein. Ob sie auch bei dieser WM trotz vieler Stars wieder früh nach Hause fahren müssen? Wir werden sehen...

Jan Schröder


Tagesspiegel Online