Erster!
Dass ein Südafrikaner das erste Tor geschossen hat, ist gut für die WMNatürlich zählt das erste Tor, das bei einer Weltmeisterschaft fällt, nicht mehr als anderen. Trotzdem ist es immer etwas Besonderes – und kann sogar ein ganzes Turnier verändern.
So war es vor vier Jahren. Vor der Weltmeisterschaft in Deutschland hatte kaum jemand der Mannschaft des Gastgebers viel zugetraut, denn in der Vorbereitung hatte sie nicht gut gespielt und ein wichtiges Testspiel in Italien mit 1-4 verloren. Doch dann kam der große Auftritt von Philipp Lahm. Im ersten Spiel der Weltmeisterschaft gegen Costa Rica erzielte er schon nach fünf Minuten ein herrliches Tor zum 1-0. Und damit begann das große Sommermärchen. Beflügelt durch das erste Tor siegte die Mannschaft 4-2, die Stimmung im Team und bei den Fans war plötzlich prächtig, und das Turnier wurde zum Fußballfest – auch wenn letztlich die Italiener gewannen.
Zum südafrikanischen Philipp Lahm wurde gestern Siphiwe Tshabalala. Der 25-jährige, der für den südafrikanischen Spitzenclub Kaizer Chiefs spielt, schoss gegen Mexiko das erste Tor der WM. Für das Team war das ganz wichtig, denn ähnlich wie vor vier Jahren hatten viele Experten daran gezweifelt, dass der Gastgeber des Turniers eine Chance haben würde. In den vergangenen Jahren hatte die südafrikanische Mannschaft nämlich oft bodenlos schlecht gespielt. Erst in den letzten Testspielen war es besser geworden, und das Team feierte einige überraschende Siege.
Mit seinem Tor bewies Tshabalala den Fußballfans in aller Welt, dass Südafrika auch mit Mannschaften wie Mexiko, die einige internationale Stars in ihren Reihen haben, mithalten kann. Doch die ganz große Feier gab es trotzdem nicht: Mexiko schaffte noch den Ausgleich, und Südafrika verpasste den erträumten Sieg, als Stürmer Katlego Mphela kurz vor Schluss nur den Pfosten traf. Trotzdem war es ein gutes Ergebnis für den Gastgeber – und das ist wichtig für die ganze WM, sind es doch hauptsächlich die heimischen Fans, die für die Stimmung bei einem Turnier sorgen.
Und trotz des verpassten Sieges können die nun weiter auf ihr Team hoffen. Dass die beiden anderen Gruppengegner der Südafrikaner, Frankreich und Uruguay, im zweiten Match des Tages nur ein ziemlich schwaches 0-0 zustande brachten, dürfte ihre Hoffnungen weiter gestärkt haben. Natürlich werden die Gastgeber auch gegen diese beiden Mannschaften als Außenseiter ins Spiel gehen, aber sie haben ja nun schon bewiesen, dass ihnen diese Rolle liegt. Und das lag eben an Tshabalala und seinem wunderschönen Tor.
Jan Schröder
