archiv suchen
Pin-

Die Orang-Utans brauchen Hilfe

Durch die Zerstörung des Regenwaldes auf der Tropeninsel Borneo haben viele Affenkinder ihre Eltern verloren. In der Schutzstation Menteng gibt es eine Orang-Utan-Schule, wo die Tiere lernen, sich im Dschungel zurechtzufinden.

Im Schatten des Regenwaldes plätschert ein sandfarbener Fluss. Fischotter spielen darin, Frösche quaken. In den dunkelgrünen Baumkronen fallen die orangefarbenen Orang-Utans, die sich von Ast zu Ast hangeln, besonders auf. Ab und zu springt hektisch ein Gibbonäffchen vorbei, und am Himmel über dem Blätterdach gleitet ein schwarzer Rhinozerosvogel durch die Lüfte, den rot-gelben Schnabel, der an das Horn eines Nashorns erinnert, immer voran.

So paradiesisch war es noch vor 50 Jahren auf der Tropeninsel Borneo. Sie ist doppelt so groß wie Deutschland und nach Grönland und Neuguinea die drittgrößte Insel der Welt. Sie ist aufgeteilt zwischen den drei Staaten Brunei, Malaysia und Indonesien.

Doch wo früher saftige Bäume standen, ist heute an vielen Stellen nur noch schwarze, verkohlte Erde übrig. Denn nachdem Holzfäller die wertvollsten und seltensten Tropenbäume gefällt und Einheimische sich die übrigen Bäume geholt hatten, zerstörten Waldbrände des Rest.

Deshalb leben heute knapp 600 Orang-Utans in der Schutzstation Menteng im Süden der Insel. Dorthin kommen Affen, deren Zuhause abgebrannt ist, und Orang-Utan-Kinder, deren Eltern von Plantagenbesitzern getötet wurden, weil sie auf Feldern nach Futter gesucht haben.

Einige der Tiere wurden auch von der Polizei in der Schutzstation abgegeben. Menschen hatten sie als Haustiere gehalten: Eine Quälerei für die schlauen Affen, die in der freien Natur in großen Familien zusammenleben.

In der Orang-Utan-Schule lernen die Kleinen, wie man auf Bäume klettert, Nester aus Ästen und Blättern baut oder Früchte knackt. Ihre Lehrerinnen sind zwar Menschen, aber sie versuchen, so viel an Orang-Utan-Wissen wie möglich zu vermitteln.

Eines Tages sollen die Affen nicht mehr in der Schutzstation auf künstlichen Klettergerüsten herumtollen, sondern in Freiheit. Dazu müssen Naturschützer, wie zum Beispiel die Mitarbeiter vom WWF, vor allem die Politiker auf der Insel davon überzeugen, dass der Regenwald wichtig ist – und zwar nicht nur als Heimat der Affen, sondern auch, weil die Bäume für frische Luft sorgen und den Klimawandel aufhalten können.

Besonders schädlich für das Klima sind auch die Waldbrände, die es auf Borneo inzwischen jedes Jahr gibt. Früher war es in dem Regenwald so feucht wie in einer Sauna. Selbst bei tropischen Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius – und so warm ist es dort fast immer – trocknet der Boden normalerweise nicht aus, und so kann auch nichts brennen. Doch seitdem der Mensch Lichtungen geschlagen und den sumpfigen Untergrund mit Kanälen entwässert hat, ist der Wald an einigen Stellen so trocken wie Stroh und brennt sofort, wenn ein Holzfäller eine Zigarettenkippe fallen lässt oder auch nur eine Scherbe sich in der Sonne spiegelt.

Der Mensch hat so inzwischen die Hälfte des Regenwalds auf Borneo zerstört und damit die Heimat der Orang-Utans. Das ist auch deshalb besonders schlimm, weil es diese Affenart nur hier und auf der Nachbarinsel Sumatra gibt. Nirgends anders auf der Welt kommen sie vor – außer im Zoo, wo sie hinter Gittern leben müssen.

Und die Orang-Utans sind nicht die einzigen bedrohten Lebewesen auf Borneo. Unzählige außergewöhnlichte Pflanzen und Tiere sind nur hier zu Hause, wie zum Beispiel eine stinkende Riesenblume namens Rafflesia, die Nasenaffen oder das niedliche Borneo-Plumplori, das nur nachts unterwegs ist. Um ihren Lebensraum zu erhalten, müssen aber nicht nur die Menschen dort umdenken, sondern auch diejenigen, die bei uns bestimmte Tropenhölzer oder Produkte aus Palmöl kaufen.

Dagny Lüdemann

Auf Borneo stehen heute viele Palmen, wo früher Regenwald wuchs. Das Öl daraus wird in die ganze Welt verkauft – ihr findet es auch bei euch zu Hause im Bad und im Kühlschrank, denn es steckt in Shampoos, Margarine und anderen Produkten. Im Reformhaus oder im Bioladen gibt es inzwischen deshalb auch Kosmetik und Lebensmittel ohne Palmöl für alle Leute, die nicht dazu beitragen wollen, dass die Heimat der Orang-Utans verloren geht.
Allerdings ist das nur ein kleiner Beitrag, um den Regenwald in Indonesien und Malaysia zu retten. Viele Menschen auf Borneo wären arbeitslos, wenn es die Palmölplantagen nicht gäbe – und arme Leute können sich nicht um den Schutz der Umwelt kümmern. Deshalb versucht die Umweltschutzorganisation WWF, neue Jobs für die Menschen auf Borneo zu schaffen. Sie können zum Beispiel Rattan für Möbel im Wald sammeln – das ist viel umweltfreundlicher als der Holzverkauf oder das Pflanzen von Palmen, denn es wächst schnell nach und kann immer wieder geerntet werden.

Dagny Lüdemann
Tagesspiegel Online