Verräterisches Erbgut
Detektivarbeit für Wissenschaftler.Der ägyptische Pharao Tutanchamun herrschte vor mehr als 3300 Jahren über ein modernes Land, in dem riesige Pyramiden in den Himmel ragten und auf fruchtbarem Boden Getreide und Gemüse angebaut wurden. Die Menschen hatten sogar schon eine Schrift entwickelt, die Vorläufer für diese Zeitungszeilen war. Tutanchamun, der schon mit neun Jahren Pharao wurde, fasziniert die Menschen bis heute. Wissenschaftler fahnden nach jedem Hinweis, um herauszufinden, wer er war, wie er lebte und warum er mit 19 Jahren starb.
Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen und modernen Erbgutanalysen hat ein Forscherteam jetzt einige Fragen beantwortet. Offenbar litt der Herrscher an einer schweren Form von Malaria, die ihn ziemlich geschwächt haben muss. Hinzu kam ein Bruch des Oberschenkels, der damals nicht so gut versorgt werden konnte wie heute. All das zusammen hat Tutanchamun wohl das Leben gekostet. Die Forscher untersuchten auch das Erbgut weiterer Mumien und stellten fest: Die Eltern des berühmten Pharaos waren wahrscheinlich Geschwister.
Damit zeigen die Wissenschaftler, was inzwischen mit Erbguttests möglich ist. Bei der Suche nach Verbrechern arbeiten Kriminalisten schon sehr erfolgreich mit dem „genetischen Fingerabdruck“. Sie nutzen dabei die Besonderheit, dass die persönlichen Erbinformationen in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers enthalten sind: Ein Haar am Tatort genügt, um den Täter zu überführen.
Nun werden die mikroskopisch kleinen Erbinformationen also auch für die Detektivarbeit in der Vergangenheit eingesetzt. Leipziger Forscher haben sogar das Erbgut aus einem 38 000 Jahre alten Knochen eines Neandertalers erstellt. Darin wollen sie ablesen, ob diese europäischen Urmenschen mit unseren Vorfahren, die aus Afrika kamen, Familien gründeten. Oder ob die Neandertaler ausstarben, ohne Nachkommen zu hinterlassen – wie die Dinosaurier.
Ralf Nestler
