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Tiere im Zoo

Löwen und Affen in Käfigen, Zebras und Eisbären in Gehegen – kann das überhaupt gut sein?

Tiere brauchen Platz. Viel Platz! Ein Löwe lebt in der freien Natur in einem riesigen Gebiet von vielen Quadratkilometern. Das Gleiche gilt für Tiger, Giraffen, Nashörner oder Elefanten. Tiere, die es auch im Zoo gibt. Dort aber leben die Wildtiere manchmal auf engstem Raum. Es gibt zwar eine Empfehlung, wie groß Gehege mindestens sein sollten. Doch in Deutschland sind diese Regeln total veraltet. Ein Löwengehege für zwei Löwen und ihre Jungen müsste zum Beispiel nicht viel größer sein als ein Boxring. Das ist – Entschuldigung – ein Witz.

Zum Glück hält sich aber kaum ein Zoo an diese Regeln. Die meisten Gehege sind viel größer als vorgeschlagen. Trotzdem haben viele Menschen im Zoo ein schlechtes Gewissen: Klar, es ist toll, die wilden Tiere, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, einmal in echt zu sehen.

Aber ist es nicht auch Quälerei, die Tiere auf so engem Raum zu halten? Schließlich liegen Zoos oft mitten in der Stadt – viel Platz ist da nicht. Und dann die Gerüche und Geräusche – wie kommen die Tiere damit zurecht?
Zooexperten kennen diese Sorgen und versichern: Den Tieren geht es gut. Fast alle Tiere, die heute in einem Zoo zu bestaunen sind, wurden bereits in einem Zoo geboren. Wildtiere dürfen nur mit besonderer Genehmigung gefangen werden. Das heißt: Die meisten Zootiere sind an die Gerüche und Geräusche gewöhnt. Auch ausgedehnte Streifzüge und Wanderungen vermissen sie nicht, sagen die Zooxperten.

Gisela von Hegel, die den Zoo in Karlsruhe leitet und die Deutschen Zoodirektoren vertritt, erklärt das so: „Tiere wandern auch in der Natur nur dann, wenn die Nahrung knapp wird. Der Hunger treibt sie an. Wenn sie genug zu fressen bekommen, bleiben sie, wo sie sind.“ Tierschützer bezweifeln das. Sie glauben zum Beispiel nicht, dass weit wandernde Arten wie Eisbären sich in einem Zoo wohlfühlen können. Am liebsten wäre ihnen, wenn Zoos gar keine Eisbären mehr halten würden.

Doch selbst Tierschützer wollen Zoos heute nicht mehr grundsätzlich abschaffen. Auch sie haben inzwischen erkannt: Die meisten Menschen schützen nur, was sie kennen. Viele Zoos unterstützen Tierschutzprojekte auf der ganzen Welt. Sie sammeln Spenden und erzählen den Menschen, wie den Tieren geholfen werden soll. Das wirkt viel besser, wenn man ein solches Tier auch sehen und bewundern kann.

Aber die Tierschützer stellen Bedingungen. Sie fordern: Ein Zoo, der Wildtiere hält, muss dafür sorgen, dass sie artgerecht gehalten werden und nicht leiden. Im Klartext: Gehege müssen so groß sein, dass sich die Tiere darin möglichst natürlich bewegen können. Außerdem dürfen die Tiere keine Schmerzen haben.

Für die meisten Zoodirektoren ist das selbstverständlich. Tatsächlich unternehmen sie viel, um die Tiere fit und gesund zu halten. Da ist zum Beispiel der regelmäßige Besuch des Tierarztes. Oder der Pfleger, der ganz genau schaut, ob sich die Tiere untereinander mögen.

Besonders wichtig aber ist es, die Tiere zu beschäftigen. Die Berliner Lippenbären müssen zum Beispiel ganz schön lange suchen, bis sie auch den letzten Mehlwurm gefunden haben. Ihre Pfleger verstecken die Leckerbissen überall im Gehege. Die Leoparden müssen kräftig ziehen und zerren, bis sie die Fleischbrocken aus einem Sack gezogen haben.

Und die Elefanten? Die müssen beim Waschen ihre Füße heben und sich hinlegen, das macht Spaß und hält fit. Wer sich nach all dem nicht gesund und wohl fühlt, hat in einem Zoo vielleicht wirklich nichts zu suchen.

Julia Thurau
Tagesspiegel Online