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Junge Eisbären

Noch gehört Dominik Lascheit (15) zum Nachwuchs. In drei Jahren will er Eishockeyprofi sein.

Gleich geht es los mit dem Training. Es wird eng in der Umkleidekabine bei den Eisbären Juniors, wenn 21 Jungs da sind. Schienbeinschoner, gepolsterte Hose, Oberkörperschutz, Ellenbogenschützer, dann Schlittschuhe, Helm und Handschuhe: Das alles muss angezogen werden beim Eishockey, der schnellsten aller Mannschaftssportarten. Auf der glatten Spielfläche schützt die Kleidung vor Verletzungen. Dominik Lascheit zieht sich erst einmal die Unterwäsche an. „Schwitzwäsche“ nennen sie die, und wenn ihr schon mal in einer Umkleidekabine beim Eishockey wart, wisst ihr auch warum: Es riecht streng.

An der Wand hängt ein Zettel, auf dem steht: „Der Trainer hat immer Recht." Trotzdem geht es lustig zu in der Schülermannschaft. Es wird gefrotzelt, wer schon eine Freundin hat und über Dominiks tolle Lockenpracht. Stürmer Dominik ist der Star des Teams aus der Schüler-Bundesliga.

Der Mannschaftskapitän schießt die meisten Tore, ist groß und kräftig für sein Alter. Vor ein paar Tagen ist er 15 geworden. Seine Mitspieler rufen ihn „Timmi“, weil er aus Timmendorfer Strand kommt. Das ist ein kleiner Ort an der Ostsee, über 300 Kilometer weit weg von Berlin. Trotzdem hat Dominik vor anderthalb Jahren Familie und Freunde hinter sich gelassen, um in Berlin seinen Traum zu erfüllen: Er möchte Eishockeyprofi werden. In drei Jahren, mit 18, will er bei den Profis der Eisbären mitspielen.

Der Weg dorthin ist hart. Dominik besucht das Sportinternat in Berlin-Hohenschönhausen: Schule, Training, Schule, Training und am Wochenende Spiele. Viel Zeit für anderes bleibt nicht. „Aber das ist mir egal“, sagt er. „Ohne Eishockey geht es bei mir gar nicht. Das ist wichtiger als Freizeit. In der Mannschaft habe ich viele Freunde gefunden.“

Schon mit fünf Jahren ging er aufs Eis. Sein älterer Bruder spielte in Timmendorf im Klub Eishockey. „Ich habe zugeschaut und fand es toll. Zum Fußball wollte ich nicht, Eishockey ist viel schneller.“ Sein Talent fiel früh auf. Irgendwann war er zu gut für seinen Kleinstadtklub. Er fuhr mit seinen Eltern nach Berlin zu einem Probetraining bei den Eisbären.

„Die Eisbären waren mein Lieblingsverein. Ich war superfroh, dass sie mich wollten.“ Jeden Tag hat er nach Hause telefoniert und mit den Freunden gechattet. „Aber für mein Ziel muss ich vieles unterordnen.“Das Abitur will er aber auf jeden Fall machen, denn wer weiß, ob es mit der Karriere als Profi klappt. Empfehlen würde Dominik nicht jedem, was er versucht: „Wer kein großes Talent hat, sollte Eishockey nur aus Spaß spielen.“

Dominiks Vorbild ist Sidney Crosby. Das ist ein Kanadier, der in Nordamerika in der dortigen Liga NHL mit den Pittsburgh Penguins Meister wurde und mit 22 schon Millionär ist. „Ich mag seinen Blick für das Spiel, seine Pässe und seine Tore. Er ist ein klasse Typ, der nicht nur aufs Geld schaut.“ In der NHL spielen die besten Eishockeyprofis. Da will Dominik hin. Aber erst mal will er es in die Deutsche Eishockey-Liga schaffen, zu den Profis der Eisbären. Dort ist Daniel Weiß sein Lieblingsspieler. An diesem Abend spielen die großen Eisbären vor vielen Zuschauern in Wolfsburg.

Dominik trainiert zur selben Zeit mit dem Schülerteam in der alten Trainingshalle in Hohenschönhausen. Kaum einer schaut zu, wie die Jungs über das Eis huschen und die Pucks gegen die alten Plexiglasbanden knallen. Nach einer Stunde ist Dominik verschwitzt und geschafft. Duschen, dann ab ins Internat.

Bevor er nach Hause geht, sagt Dominik: „Meine Eltern haben mich nie zu etwas gezwungen. Mein Vater holt mich auf den Teppich, wenn ich abhebe.“ Auch andere achten darauf. Am Montag klingelte im Französischunterricht sein Handy. Die Lehrerin forderte es ein. „Können Sie nicht mal eine Ausnahme machen?“, hat er gefragt. Konnte sie nicht. Noch ist Dominik kein Eishockeystar, sondern ein normaler Schüler und erst 15.

Claus Vetter


Eishockey

Eishockey ist ein Sport, bei dem ein Torwart und fünf Feldspieler bei jeder Mannschaft auf dem Eis stehen. Die Eisfläche ist 30 Meter breit und knapp 61 Meter lang. Ziel ist es, eine kleine Hartgummischeibe, den Puck, mit dem Schläger ins gegnerische Tor zu schießen. Ein Spiel hat drei Drittel und dauert drei Mal 20 Minuten. Steht es danach Unentschieden, gibt es fünf Minuten Verlägerung. Fällt da immer noch kein Tor, entscheidet das Penaltyschießen. Das ist in etwa mit dem Elfmeterschießen im Fußball vergleichbar. Weil das Spiel sehr schnell und anstrengend ist, darf jede Mannschaft so häufig auswechseln, wie sie möchte. Daher sind in einem Team bis zu 21 Spieler. Die Sportart wurde bereits vor über 150 Jahren in Kanada erfunden. Dort ist sie bis heute auch sehr populär. Kanada und die USA haben gemeinsam die beste Eishockeyliga der Welt, sie heißt NHL und in ihr spielen 30 Klubs. Aber auch in Europa ist der Sport beliebt. In Schweden, Finnland, Tschechien und Russland ist Eishockey sogar teilweise populärer als Fußball. In Deutschland wird Eishockey schon seit rund 100 Jahren gespielt. In Berlin gab es die ersten Klubs, später wurde Eishockey dann besonders in Bayern beliebt. Heute hat fast jede Großstadt einen Eishockeyklub. Die deutsche Bundesliga heißt Deutsche Eishockey-Liga. In ihr spielen 15 Mannschaften, von denen die Eisbären Berlin die Beste sind. In den vergangenen fünf Jahren wurden die Eisbären vier Mal Deutscher Meister. cv
Tagesspiegel Online