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Auf in den Schnee!

Waren die Winter früher wirklich immer verschneit?

Brrr, ganz schön kalt draußen! Auf minus neun Grad sind die Temperaturen in den vergangenen Tagen gesunken. Wie oft habt ihr das schon erlebt? Das kommt bei uns ganz schön selten vor.

Als ich noch zur Schule ging, haben wir uns bei so einem Wetter oft morgens darüber ausgetauscht, wie viel Grad das Thermometer bei jedem zu Hause angezeigt hat. Egal, welche Werte die Kinder in den Runde warfen – bei der Familie von Conny war es garantiert immer am kältesten. Und im Sommer natürlich am wärmsten. Solche Rekordhalter habt ihr bestimmt auch in eurer Klasse. Und wenn wir nach Hause kamen, dann sagte manche Großmutter: „Das ist nichts im Vergleich zu früher, da war es jeden Winter so kalt und schneereich. Mindestens.“ Auch solche Großmütter gibt es sicher heute noch.

Der Blick in die Wetteraufzeichnungen belegt, dass es früher wirklich einige knackige Winter mit viel Frost und Schnee gab. Aber es gab auch damals schon viele milde Winter, die den Namen kaum verdienten. In der Berliner Gegend zum Beispiel ist im Durchschnitt nur jedes siebte Weihnachtsfest ein „weißes“ mit schneereichen Feiertagen. Und obwohl sie das ganz anders in Erinnerung hat, war das auch zu Omas Zeiten schon so.

Eine Besonderheit des Menschen ist, dass er sich vor allem an die schönen Dinge gut erinnern kann. Und eine verschneite Landschaft ist – vor allem für Kinder, die im Schnee Rodeln gehen und Schneemänner bauen – ja etwas sehr Schönes. Deshalb fallen den Omas und Opas beim Rückblick die seltenen Schneewinter eher ein als die (häufigen) Matschmonate.

Und wo die Wirklichkeit nicht ganz den Wünschen entspricht, da trickst man gern mal was dazu, mit Absicht, aber auch unbewusst. Das betrifft die Schneebedingungen vor 50 Jahren ebenso wie die Temperaturen der letzten Nacht an Connys Haus.

Ralf Nestler
Tagesspiegel Online