Mitten in Afrika
Emmanuel und Mayaya gehen gerne in die Schule. Warum? Weil es in Tansania zu Politiker und Arzt ein weiter Weg ist.Emmanuel wohnt in einer einfachen Lehmhütte. Seine Familie schläft in einem Raum. Hier gibt es keinen Strom, Wasser holt Emmanuels Mutter von einem Brunnen im Dorf und balanciert es in einem Kanister auf ihrem Kopf. Emmanuel ist 15. Er möchte Politiker werden und nach Daressalam, in die wichtigste Stadt von Tansania, ziehen. Dafür geht er jeden Tag viele Kilometer über staubige Wege zur Schule. Emmanuels Großeltern lebten noch als Nomaden in der weiten Steppe Tansanias. Sie hatten nur ein paar Ziegen, die sie immer dort weiden ließen, wo es etwas zu fressen gab.
Heute bauen Emmanuels Eltern Baumwolle an. Sie haben erst vor ein paar Jahren gelernt, wie man das so macht, dass die Erde nicht unfruchtbar und mit Pflanzengiften verseucht wird. Und weil seine Eltern am eigenen Leib erfahren haben, wie wichtig es ist, etwas zu lernen, schicken sie ihre Kinder nun zur Schule.
Die Mwamishali-Grundschule besteht aus mehreren flachen Gebäuden, die auf kargem, ausgetrockneten Boden stehen. Wenn die Kinder in der Pause spielen, wirbelt rote Erde auf, und die weißen Hemden der Schuluniformen leuchten in der Sonne. 14 Lehrer unterrichten hier mehr als 600 Kinder. In Tansania müssen eigentlich alle Kinder zur Schule zu gehen, aber wenn die Eltern sie aufs Feld schicken, um bei der Ernte zu helfen, können die Lehrer nicht viel tun. „Es ist schwierig, die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihnen Essen und Bücher zu kaufen“, sagt der Schulleiter Seth Simon Mlemka.Die Schule liegt in der Nähe des Ortes Mwamishali. Hier kann man alles kaufen, was man zum Leben braucht: Transistorradios, Reis, Mungbohnen, Moskitonetze, bunte Stoffe und Werkzeug. Auf die Hauswand eines kleinen Ladens ist ein Farbtopf gemalt, daneben Kneifzange, Hammer und Säge. So weiß jeder sofort, was es hier zu kaufen gibt. Viele Menschen hier können nicht lesen und schreiben.
Deshalb weiß auch Emmanuels Freund Mayaya, wie wichtig es ist, zur Schule zu gehen. Er möchte Arzt werden. Dafür muss er gut in der Schule aufpassen, denn nur wer den Aufnahmetest besteht, darf nach den ersten sieben Jahren auf die höhere Schule wechseln. Außerdem müssen Mayayas Eltern genug Geld verdienen, um ihn in den weit entfernten größeren Ort zu schicken. An der Mwamishali-Schule ist aufpassen gar nicht so einfach. Auf schmalen Bänken quetschen sich vier Kinder nebeneinander, so dass ihre Ellbogen sich berühren, wenn sie in ihre Hefte schreiben. Weil es nicht genug Lehrer gibt, müssen zwei Klassen in einem Raum sitzen, mehr als 80 Schüler.
Es gibt keine Atlanten, Globen, Lehrtafeln und nur wenige Schulbücher. Deshalb malen die Lehrer die meisten Lehrbilder selbst. Mit Filzstift hat eine der Lehrerinnen einen Brustkorb mit den inneren Organen auf ein Stück Papier gezeichnet und an die Wand des Klassenraums geheftet.
Seth Simon Mlemka unterrichtet wie seine Kollegen alle Fächer: Mathematik, die Landessprache Swahili, Geografie, Naturwissenschaften und Geschichte.
Was sich der Schulleiter aber am meisten wünscht, ist ein Haus direkt an der Schule, in dem die Lehrer wohnen können. Und ein Brunnen auf dem Schulhof, damit er seine Schüler mit Wasser versorgen kann und mittags mit einem richtigen Essen. Damit Emmanuel und Mayaya so viel lernen können, dass sie ihre Träume für die Zukunft wahr machen können.
Grit Thönnissen
Tansania
Tansania ist ein armes, aber friedliches Land. Es liegt mitten auf dem afrikanischen Kontinent, ganz im Osten am Indischen Ozean. Hier leben die meisten wilden Tiere der Erde. Gar nicht weit von Mwamishali entfernt liegt der berühmte Nationalpark Serengenti, wo zum Beispiel Elefanten, Löwen, Geparden, Giraffen und Nilpferde leben. Auf einer Safari kann man sie von geschlossenen Autos aus beobachten. Am oberen Rand des Landes erhebt sich der Kilimandscharo, einer der höchsten Berge Afrikas. Auch der riesige Victoriasee liegt zum Teil in Tansania. Mehr als die Hälfte der 40,4 Millionen Einwohner von Tansania ist jünger als 15.
