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Der Boxer

Wofür kämpft Weltmeister Witali Klitschko in der Ukraine?

Seit zwei Wochen gehen zehntausende Menschen in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, auf die Straße. Die Bilder aus habt ihr vielleicht im Fernsehen gesehen. Die Menschen sind sauer auf ihren Präsidenten. Der will einen besonderen Vertrag mit der Europäischen Union, zu der auch Deutschland gehört, nicht unterschreiben. Die Menschen, die demonstrieren, glauben, dass ihr Leben besser werden könnte, wenn ihr Land mehr mit Europa zusammenarbeitet.

Auf den Bildern aus Kiew ragt ein zwei Meter großer Mann aus der Menge. Manchmal sieht man ihn zwischen Demonstranten und Polizisten stehen. Er hat beide Seiten gebeten, keine Gewalt auszuüben. Er heißt Vitali Klitschko und ist wie sein Bruder Wladimir Boxer. Er ist seit Jahren Weltmeister, weil es keiner geschafft hat, ihn zu besiegen. Doch seit einigen Jahren ist er auch Politiker. Er möchte in seiner Heimat, der Ukraine, etwas verändern.

Wie viele andere ist er unzufrieden damit, wie das Land regiert wird. Doch anders als beim Boxen hat es für ihn in der Politik in letzter Zeit auch Niederlagen gegeben: Zwei Mal versuchte er, Bürgermeister von Kiew zu werden, aber bei den Wahlen bekam er nicht genug Stimmen. Aufgegeben hat er nicht. Er arbeitete im Stadtrat von Kiew mit und gründete eine neue Partei, „Udar“. (Eigentlich ist das eine Abkürzung, aber „Udar“ bedeutet auf Deutsch „Schlag“.)

Die Partei hat es ins Parlament geschafft. Dort kommt es übrigens manchmal nach einem Streit zu einer echten Schlägerei. Doch Klitschko will noch mehr: Er möchte Präsident werden. Aber erst einmal demonstriert er bei eisigen Temperaturen gegen den jetzigen Präsidenten.

Doch auch wenn Zeitungen und Fernsehsender aus der ganzen Welt über ihn berichten: Ohne die vielen Menschen, die mit ihm auf die Straße gehen, könnte Vitali Klitschko gar nichts erreichen. Die eigentlichen Hauptpersonen sind sie.  

Claudia von Salzen
Tagesspiegel Online