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Die Groko

Was ist eine große Koalition?

Neulich war in Deutschland Bundestagswahl. Da hingen überall Plakate mit Angela Merkel von der CDU und mit Peer Steinbrück von der SPD. Weil mehr Wähler Angela Merkel gut fanden als Peer Steinbrück, hat sie gewonnen. Also, um genau zu sein: Ihre Partei, die CDU, bekam mehr Stimmen als alle anderen.

Aber obwohl so eine Bundeskanzlerin ziemlich viel zu sagen hat, regiert sie nicht alleine. Sie darf einen Vorschlag machen – zum Beispiel, dass Kinder auf Fußwegen Radfahren dürfen. Aber entscheiden müssen das die Abgeordneten im Bundestag. Dort wird abgestimmt, und eine Mehrheit muss dafür sein.

Nun sind zwar viele Abgeordnete von der CDU und ihrer bayerischen Schwester CSU im Bundestag. Aber für die Mehrheit reicht es ganz knapp nicht. Deshalb brauchen sie eine andere Partei als Verbündete. So ein Bündnis nennt man „Koalition“. Das ist Latein und heißt „Die, die zusammenhalten“.

Weil Angela Merkel die Partei Die Linke nicht leiden kann und die Grünen die CDU nicht mögen, ist nur die SPD übrig geblieben. Die SPD ist die zweitgrößte Partei im Bundestag. Darum heißt das Bündnis jetzt „große Koalition“. Und das stimmt wirklich. Im Bundestag sitzen 631 Abgeordnete. Davon gehören 504 Abgeordnete zur CDU, CSU oder SPD. Die übrigen zwei Parteien im Bundestag, Die Linke und die Grünen, sind mit ihren 127 Abgeordneten hoffnungslos in Unterzahl.

Eigentlich könnten die von der großen Koalition also jetzt machen, was sie wollen. Aber der Stärkere hat ja nicht immer recht. Die Schwächeren müssen wenigstens sagen können, was sie besser machen würden. Die Schwächeren heißen in der Politik „Opposition“. Das ist auch Latein und heißt: „Die, die dagegen sind.“

Normalerweise sind Koalition und Opposition ungefähr gleich viele, deshalb dürfen sie im Bundestag ungefähr gleich viel reden. Diesmal sind die von der Opposition so wenige – die würden gar nicht mehr zu Wort kommen. Deshalb muss die große Koalition jetzt der kleinen Opposition mehr Redezeit geben, damit die auch ihre Meinung sagen darf. 

Robert Birnbaum
Tagesspiegel Online