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Showtime im Friedrichstadt-Palast

Matilda Ontrop, 9, hat Lisa zugeguckt, die heute im Friedrichstadt-Palast bei der Premiere der Kindershow „Keinschneechaos“ mittanzt

Letztes Jahr habe ich Lisa zum ersten Mal in einer Kindershow im Friedrichstadt-Palast gesehen. In „Ganz schön anders – Von der Kraft der Fantasie“ war sie ein puffiger rosa Marshmallow, und ich war extrem beeindruckt. Seitdem bin ich ein Fan von Lisa Hünnekens!

In der Kindershow von diesem Jahr – „Keinschneechaos“ – tanzt Lisa wieder mit, diesmal als Fabrikarbeiterin. Der Direktor dieser Fabrik, in der süße rosa Hightech-Plüschhasen hergestellt werden, heißt Herr Hitzeheiß und ist böse. Die Fabrik verbraucht nämlich so viel Energie, dass übera ll der Schnee schmilzt und es keinen Winter mehr geben kann.

Aber natürlich geht alles gut aus, und am Ende der Show schneit es dann sogar auf der Bühne und im Zuschauersaal. Fast alle Rollen in der Show werden von Kindern und Jugendlichen gespielt, insgesamt über 100.

Bei Lisa fing alles damit an, dass ihr Vater Wolfgang ihr einen Zeitungsartikel gezeigt hat, in dem tanzbegeisterte Kinder zum Casting für das Ensemble des Friedrichstadt-Palastes eingeladen wurden. Da Lisa schon mit drei Jahren mit Ballett angefangen hat und auch schon immer gerne auf der Bühne stand, war sie sofort begeistert von der Idee.

Ihre Mutter allerdings nicht. „Ich habe den Artikel erst einmal unauffällig verschwinden lassen“, erzählt Lisas Mutter Kirstin lachend. Regelmäßig von Zehlendorf nach Mitte zum Tanzen zu fahren, schien ihr ein bisschen stressig zu werden. Aber wenn Lisa sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt sie nicht so leicht locker.

Also ist Lisa zum Vortanzen gegangen. Erst, als sie gesehen hat, dass mehrere Kinder geweint haben, als sie nicht genommen wurden, merkte sie, was das eigentlich für eine große Sache ist.

Lisa war so gut, dass sie zu einem zweiten Casting kommen durfte. Da war sie dann aber schon richtig nervös. Aber sie hatte Glück und war so gut, dass sie zu den 32 Kindern gehörte, die 2011 neu aufgenommen wurden. Von den 250 Kindern, die im Friedrichstadt-Palast tanzen, sind die meisten Mädchen. In Lisas Gruppe gibt es nur einen einzigen Jungen. Erkennen kann man das aber auf der Bühne sowieso nicht, weil alle ja total kostümiert sind.

„Die Kostüme sind immer total super“, schwärmt Lisa. In diesem Jahr trägt sie als Fabrikarbeiterin eine pinke Perücke, eine Schutzbrille, silberne Kopfhörer und einen silbernen Overall mit pinkem Reißverschluss. Der Fotograf, der für den Kinderspiegel bei der Probe dabei war, hatte richtig Schwierigkeiten, Lisa überhaupt auf der Bühne zu erkennen, weil ja alle Fabrikarbeiter gleich aussehen.

Der normale Ablauf vor einer Show ist immer derselbe. Erst geht Lisa in die Maske, wo ihr einzelne Haarsträhnen zusammengerollt und mit Haarklammern am Kopf festgesteckt werden. Darüber kommt dann so eine Art Haarnetz. Später kommt da dann die pinke Perücke drüber.

Vorher muss Lisa aber ihr Kostüm anziehen. Dieses Jahr hat sie ihr eigenes Kostüm, das sie mit niemandem teilen muss, weil ihre B-Besetzung (ein anderes Mädchen, das ihre Rolle spielt , damit Lisa auch mal Pause hat) viel größer ist als sie.

Auf die Frage, was ihr am meisten Spaß macht daran, im Friedrichstadt-Palast zu tanzen, sagt Lisa: „Das hört sich jetzt bestimmt blöd an, aber am meisten lieb‘ ich den Applaus!“ Ich finde, das hört sich überhaupt nicht blöd an. Ich fände es auch toll, von so vielen fremden Menschen immer Applaus zu bekommen.

Da Lisa im letzten Jahr zum ersten Mal bei einer Show dabei war, durfte sie sich nur bei der Premiere verbeugen. Bei allen anderen der knapp 30 Auftritte war sie schon vor der Pause fertig und hat also das Beste, den Applaus, verpasst. Dieses Jahr ist sie immer bis zum Schluss dabei und darf sich bei jeder Aufführung am Ende mit verbeugen und den Applaus genießen.

Matilda Ontrop, 9 Jahre


Die Bilder hat Björn Kietzmann gemacht.



— Infos zur Show unter
www.show-palace.eu.
Tagesspiegel Online