archiv suchen
Pin-

Ihr habt einen Vogel!

Warum Papageien in unseren Städten leben.

Stellt euch mal vor, ihr geht über die Straße und über euch hinweg fliegt ein Schwarm grüner Papageien. Komisch würdet ihr denken, die gehören hier doch gar nicht hin. Richtig, eigentlich leben Papageien in Afrika und Asien, aber inzwischen wohnen rund 7500 von ihnen in Deutschland.
Das sind vor allem die Halsbandwellensittiche, die sind am Bauch und unter den Flügeln gelb und grün und die Männchen haben einen schwarzen Streifen um den Hals. Die meisten Vorfahren von diesen Vögeln haben wohl mal bei Menschen als Haustiere – und sind wohl aus der Gefangenschaft geflüchtet. Alfred Brehm schrieb vor mehr als hundert Jahren in seinem berühmten Buch „Brehms Tierleben“, dass Papageien fliegende Affen seien, weil sie schlau sind, gut aufeinander aufpassen und richtig passabel klettern können.

So konnten sie sich wohl auch ihrer neuen, viel kälteren Umgebung anpassen. Sie schlafen gern auf Platanen, das sind hohe Bäume, die oft an Alleen stehen. In Düsseldorf, einer Stadt am Rhein, leben jetzt fast 1000 Sittiche rund um die größte und teuerste Einkaufsstraße, die Königsallee. Die die Düsseldorfer nur Kö nennen.

Eigentlich könnten sich die Leute ja freuen, dass nicht nur Menschen, sondern auch so hübsch anzusehende Vögel ihre Straße mögen. Aber da diese auf die Parkbänke kacken und viel Lärm machen, möchten die Ladenbesitzer, dass die Vögel woanders herumfliegen. Aber Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Halsbandwellensittiche keine anderen Tiere vertreiben und ihnen auch keine Brutplätze oder Nahrung wegnehmen. Deshalb dürfen die Papageien jetzt erst einmal auf der Kö bleiben und sich an der Weihnachtsbeleuchtung erfreuen, die jetzt die Straße schmückt.

Grit Thönnissen
Tagesspiegel Online