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Der Bilderschatz

In einer Wohnung wurden 1406 Gemälde gefunden: Sie sind unschätzbar wertvoll.

In einem unscheinbaren Haus in einer ganz normalen Wohnung in München hat die Polizei1406 Bilder gefunden. Stellt euch vor, bei euch zu Hause würden 1406 Bilder aufbewahrt! Die Gemälde hingen natürlich nicht alle an der Wand, sie standen und lagen in meterlangen Regalen.

Es sind nicht irgendwelche Bilder, viele davon wurden lange vermisst. Von manchen gibt es noch alte Fotos. Es sind auch Gemälde von weltberühmten Künstlern wie Henri Matisse dabei, die bisher noch niemand kannte. Die Bilder sind unschätzbar wertvoll. Noch nicht einmal Experten können sagen, wie viele Milliarden Euro sie insgesamt kosten würden.

Die Wohnung mit dem Bilderschatz gehört dem 80-jährigen Cornelius Gurlitt. Sein Vater war Kunsthändler. Die Bilder wurden den Besitzern vor 80 Jahren von den Nazis einfach weggenommen. Damals war Adolf Hitler an der Macht, und ihm und seinen Leuten gefielen solche Bilder nicht. Sie nannten sie „entartete Kunst“, weil ihnen nicht passte, wie zum Beispiel der Maler Picasso Menschen malte: nicht hübsch und gefällig, sondern so, als seien die Gesichtszüge verrutscht. Man kann sich eine Menge dabei denken.

Die Nazis machten ein Gesetz, nach dem diese Kunst den Besitzern und auch den Museen einfach weggenommen werden konnte. Viele von ihnen waren Juden, die in Nazi-Deutschland verfolgt, verjagt und in vielen Fällen sogar umgebracht wurden.

Das ist schon lange her – aber trotzdem wissen wir Deutschen immer noch nicht so genau, wie wir mit so einem Fund umgehen sollen. Ihr würdet sicher sagen: Einfach den Besitzern oder ihren Nachfahren zurückgeben, ist doch klar. Das ist aber nicht so einfach, weil das Gesetz zur „entarteten Kunst“ nie für ungültig erklärt worden ist. Im Moment ist Cornelius Gurlitt der rechtmäßige Besitzer. Bei jedem Bild muss nun genau geprüft werden, woher es kommt und ob es zurückgegeben werden kann.

Grit Thönnissen
Tagesspiegel Online