Wärme auf Rädern
Der Kältebus bringt Obdachlosen Hilfe.Fast jedes Mal, wenn ich durch Zehlendorf Mitte laufe, treffe ich auf einen ganz bestimmten Mann. Er hockt in seinen kaputten Schuhen und abgewetzten Hosen auf dem Bürgersteig und hält einen Pappbecher mit ein paar Münzen in der Hand, neben ihm liegt ein magerer Hund. Der Mann ist obdachlos und wohnt auf der Straße, das Geld für Essen für sich und seinen Hund verdient er mit Betteln. So wie ihm geht es ungefähr elftausend anderen Männern und Frauen in ganz Berlin, die weder Wohnung noch Arbeit haben. Die meisten können gar nichts dafür und wünschen sich, wieder ein ganz normales Leben zu führen. Aber wenn man einmal obdachlos ist, ist das sehr schwer.
Im Sommer, wenn es nachts wärmer ist als jetzt, schlafen sie auf Parkbänken, in Hauseingängen und unter Brücken. Und im Winter? Wenn es kalt wird, fährt der Kältebus durch Berlin und hilft den Obdachlosen. Damit sie nicht draußen einschlafen und erfrieren, gibt es Notunterkünfte, in denen sie einen Schlafplatz, Essen und eine warme Dusche bekommen können.
Manche wollen das aber gar nicht und schlafen lieber unter freiem Himmel, als in eine Notunterkunft zu gehen. Sie haben Angst, im Schlaf beklaut oder verletzt zu werden und finden, dort ist zu viel Dreck, Alkohol und Streit. Es gibt außerdem nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, und im kalten Winter sind die schnell belegt.
Der Kältebus kommt auch zu denen, die keinen Schlafplatz haben und draußen übernachten müssen. Die freiwilligen Helfer bieten den Obdachlosen heißen Tee, Essen und oft auch einfach Gespräche an. „Mit diesen Menschen zu sprechen, ihnen etwas Gutes tun, ist sehr wichtig“, sagt Dirk, einer der Fahrer, auf der Website des Kältebusses.
Abends sehe ich den Mann aus Zehlendorf mit seinem Hund jetzt nicht mehr. Und ich hoffe, dass auch er in einer Notunterkunft schläft.
Linda Bomm, 14 Jahre
