Wasser marsch!
Auf der Jugendfeuerwache Wedding wissen schon achtjährige Nachwuchsfeuerwehrleute, wie man Feuer löscht.
Wenn der achtjährige Antonio und der zehnjährige Tom mit dem Schlauch wie echte Profis eine Mauer abspritzen, sieht das ganz leicht aus. Kein Wunder – die beiden sind ja schließlich von der Feuerwehr. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen Löschschlauch richtig zu halten. Noch schwieriger wird es, wenn man ihn auch noch auf ein Ziel richten, das Wasser anstellen und treffen muss. Die Jugendfeuerwehr Wedding hat momentan 45 Mitglieder, davon zwei Mädchen. Die meisten kommen ein Mal pro Woche in die Feuerwache. Einige schlüpfen aber sogar drei bis vier Mal in der Woche in ihre eigene brandfeste Uniform mit Namensschild, ziehen die schweren schwarzen Stiefel mit Stahlkappen an und versammeln sich dann nach und nach im Flur, wo schon die Leiter der Jugendfeuerwehr warten.
Dort heißt es für alle erst einmal: „Antreten!“ Die Nachwuchsfeuerwehrleute stellen sich in zwei Reihen auf und werden von Manuel Mahnke, dem Leiter der Jugendfeuerwehr Wedding, begrüßt. Danach teilen sich alle in verschiedene Gruppen, die nach Alter in A, B und C eingeteilt sind.
In verschiedenen Räumen lernen die Acht- bis 18-jährigen alles, was angehende Feuerwehrleute so wissen müssen: Wie finde ich schnell den nächsten Hydranten? Welches Feuer löscht man womit? Wie viele Leute passen in einen Dienstwagen? Und was für Fahrzeuge gibt es bei der Feuerwehr eigentlich?
Natürlich gehören auch praktische Übungen zum Programm. Dann setzt sich eine Gruppe in ein echtes Feuerwehrauto und fährt – zwar ohne Blaulicht und Sirene, aber trotzdem ganz schön eindrucksvoll – zu einem großen Übungsplatz. Manchmal arbeiten die Gruppen sogar mit echtem Feuer, das sie dann löschen müssen.
Das Löschen sieht auf den ersten Blick immer ziemlich chaotisch aus: Alle rennen durcheinander und schwirren um das Feuerwehrauto herum, mittendrin werden Kommandos vom Gruppenleiter gebrüllt. Aber spätestens, wenn der Schlauch in Rekordzeit verlegt wurde und alle nur noch auf den Befehl „Erstes Zielrohr: Wasser Marsch!“ warten, erkennt man, dass Auf- und Abbau in Wirklichkeit perfekt organisiert sind.
Jede Gruppe ist in drei Trupps aufgeteilt: Den Angriffstrupp, den Wassertrupp und den Schlauchtrupp. Jeder erledigt also seine eigene, ganz bestimmte Aufgabe, und das Team ist schnell bereit zum Löschen. Wenn die Gruppe das geschafft hat, muss die gesamte Ausrüstung natürlich wieder sicher und am richtigen Platz im Wagen verstaut werden. Das Innere von so einem Feuerwehrauto sieht ganz schön kompliziert aus, mit vielen Tanks, Zeigern und Knöpfen. Wie sich da irgendjemand noch an den richtigen Ort für jedes einzelne Stromkabel erinnern soll, verstehe ich nun wirklich nicht, aber schon die Achtjährigen können mir erklären, welches Gerät was anzeigt und wann ein Zeiger sich wie bewegt.
Auch sonst sind die Nachwuchsfeuerwehrleute ziemlich fit, was die Aufgaben eines Feuerwehrmanns betrifft. Die Acht- bis 18-jährigen lernen viel über Erste Hilfe, Gefahren des Feuers und den menschlichen Körper. Das ist sehr wichtig, denn Feuerwehrleute sind natürlich nicht bloß aufs Löschen spezialisiert, sondern müssen oft auch Menschen retten oder Verletzte versorgen.
Auf der Feuerwache Wedding werden auch Dinge angeboten, die es bei anderen Jugendfeuerwehrstellen gar nicht gibt. Jedes Jahr in den Sommerferien gibt es zum Beispiel ein Schulungslager am Müggelsee, wo die Kinder und Jugendlichen bestimmte Prüfungen ablegen können. Moritz (16) bezeichnet die Feuerwehr sogar als eine zweite Familie. Er darf schon mit zu echten Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr oder der Berufsfeuerwehr, denn er hat eine schwierige Prüfung bestanden, die man erst mit 15 Jahren machen darf. Dass er später einmal Feuerwehrmann wird, ist für ihn klar.
Das ist das Ziel von fast allen Jugendfeuerwehrleuten. Wieso? Weil sie Leben retten und Menschen helfen wollen, außerdem macht es ihnen Riesenspaß. „Und außerdem“, strahlt einer, „guckt jedes Kind staunend hinterher, wenn ein Feuerwehrauto an ihm vorbeifährt. Und ich darf da drin sitzen!“
Linda Bomm, 14 Jahre
Fotos: Doris Spiekermann-Klaas (3)
