Einer für alle
An Bord hat der Kapitän das Sagen – und muss im Notfall für alle sorgen.Der Kapitän ist der wichtigste Mensch auf einem Schiff. Es gab berühmte Kapitäne, aber einige kennt man nur deshalb, weil sie ihr Schiff verloren haben. Das sollte niemals passieren.
Einen Kapitän unterscheidet von einem gewöhnlichen Chef, dass ihm niemand widersprechen darf. Auf See gilt die Regel: Einer hat das Sagen. Denn in einem Sturm, wenn alle an Bord Angst bekommen, hat jeder einen Vorschlag, wie man der Gefahr entkommen könnte. Das geht nicht. Die Leute würden sich anbrüllen, am Ende würde nichts passieren, das Schiff wäre verloren.
Deshalb gibt es den Kapitän. Er muss das Schiff nicht selbst steuern, aber er legt den Weg fest, den es fahren soll. Und vor allem ist er da, wenn das Schiff in Schwierigkeiten gerät.
Francesco Schettino war der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, das letzte Woche vor der italienischen Küste verunglückt ist. Er soll ein schlechter Kapitän sein. Erst rammt er mit seinem riesigen Schiff einen Unterwasserfelsen, dann will er es nicht wahrhaben. Statt sofort alle Rettungsboote zu Wasser zu lassen, verliert er Zeit. Seine Offiziere sollen auf Befehle gewartet haben, aber er wusste nicht, was er tun sollte. Schließlich kam es zu einer Meuterei. Einige Männer hatten begriffen, wie ernst die Situation geworden war – das Schiff lag schief im Wasser und drohte umzukippen – und begannen, die 4200 Menschen an Bord zu retten.
Die Costa Concordia ist ein sicheres Schiff, sehr stabil und viel zu groß, als dass Wellen ihm gefährlich werden könnten. Aber weil ein Felsbrocken die Schiffswand aufschlitzte, strömte Wasser ein. Immer weiter stieg das Wasser, die Menschen mussten durch eine Welt flüchten, in der Wände, Fußböden, Möbel auf die Seite kippten. Die Treppen konnte man nicht mehr benutzen, die Gänge waren zu Schächten geworden.
Ein Kapitän kann nicht immer alle Menschen auf seinem Schiff retten. Aber man wird sagen, dass er ein guter Kapitän ist, wenn er es bis zuletzt versucht.
Kai Müller
