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Verprügelt und verehrt

Der verkorkste König Friedrich II.: Sein Vater schlug ihn, er liebte Musik und Hunde und führte wahnsinnige Kriege.

Als Friedrich König wurde, war er 28 Jahre alt. Seine Jahre als Prinz müssen eine harte Zeit gewesen sein, denn Friedrichs Vater, der alte König Friedrich Wilhelm, war grausam und streng. Er liebte es, wenn die Soldaten marschierten, ihre Gewehre über die Schultern warfen und wenn die Offiziere Befehle über den Kasernenhof brüllten.

Friedrich dagegen las gern, sprach Französisch und spielte hervorragend Querflöte. Der Vater fand: Damit mögen sich Prinzessinnen befassen, ein Prinz, der später einmal König werden soll, muss die Armee lieben, er muss hart sein.

Und damit er mal gut befehlen kann, muss er gehorchen lernen. Er prügelte seinen Sohn, er bestimmte, wie lange er Frühstück essen durfte (sieben Minuten!), er legte fest, was der junge Mann lernen musste (das Kriegshandwerk) und wen er zu heiraten hatte (eine mittelschöne Fürstentochter, für die sein Sohn sich niemals interessierte).

Als er 18 war, wollte Friedrich fliehen, nach England, möglichst weit weg. Die Flucht misslang, der Prinz wurde eingesperrt. Der Vater war außer sich, seine Berater konnten ihn gerade noch davon abhalten, Friedrich hinrichten zu lassen.

Dafür ließ er Friedrichs bestem Freund den Kopf abschlagen – und der Prinz sollte dabei zusehen. Das war ein furchtbares Erlebnis, denn diesen Freund, Katte, hatte Friedrich wirklich sehr gemocht. Wer weiß, ob es später jemanden in seinem Leben gab, dem er so nah war. Seine Frau bestimmt nicht. 28 Jahre alt war er also, als der Vater starb und er selber König wurde. Ab jetzt hieß er „Friedrich II.“ – der zweite, weil es vor ihm schon mal einen preußischen König Friedrich gegeben hatte. Jetzt, unter Friedrich II. sollte alles anders werden, besser! Kein Landarbeiter sollte mehr seinem Herren gehören, jeder sollte an Gott glauben oder auch nicht, wie es ihm selbst gefiel. Lauter schöne Ideen, doch leider war die Macht des Königs nicht groß genug, sie überall durchzusetzen.

Das Land, das Friedrich II. regierte, hieß Preußen. Dazu gehörten Brandenburg, große Gebiete, die heute in Polen und in Russland liegen, und ein paar kleinere, verstreut im Westen.

Es gab viele Länder, die größer und mächtiger waren als Preußen. Das wurmte den König. Er wollte auch ein großes Land regieren. Also tat er etwas, das sein Vater nie gewagt hätte: Friedrich II. schickte die Soldaten los, um Krieg zu führen. Um Land zu erobern und Preußen größer zu machen, einfach so.

Das war ein starkes Stück! Dieser junge, kluge Mann, der gerne Flöte spielte und Musik komponierte, entpuppte sich als ehrgeiziger, gewissenloser Kriegstreiber. Tausende Menschen schickte er in den Tod, ihm war es egal, wenn die Leute in seinem Land verhungerten, so lange er nur Krieg führen und sein Land vergrößern konnte. Da war er eben ein ganz normaler König: einer, der sich selbst nur dann groß fühlt, wenn sein Land groß ist. In den Kriegen hatte er unglaubliches Glück. Eigentlich hatte das kleine Preußen gegen seine großen Feinde keine Chance. Da die sich aber nie einig waren, überstand das Land die Kriege – und wurde tatsächlich größer.

Friedrich II. war auch ein geschickter, gewissenloser Politiker. Er verbündete sich mit Ländern, gegen die er kurz zuvor noch Krieg geführt hatte. Nun konnte er gegen andere, mit denen er zuvor noch Frieden geschlossen hatte, Krieg führen. So teilte er sich mit dem früheren Feind Russland das Nachbarland Polen auf.

Den irrsinnigen Ehrgeiz Friedrichs II. hielten viele Menschen für großen Mut. Daher nannten sie ihn irgendwann ehrfürchtig „Friedrich den Großen“ oder auch den „Alten Fritz“. Sie bauten ihm Denkmäler, eins davon steht mitten in Berlin: Auf der Straße unter den Linden sitzt der König aus Bronze auf einem Bronzepferd. Auf dem Kopf trägt er keine Krone, sondern einen dreieckigen Hut. Logisch, denn er hat selbst einmal gesagt: „Eine Krone ist nur ein Hut, in den es hineinregnet.“

Sein Grab befindet sich in Potsdam, gleich neben seinem schönen Schloss Sanssouci. Da liegt er neben seinen Hunden. Die hatte dieser merkwürdige König sehr viel lieber als alle Menschen.
David Ensikat


FRIEDRICH II. BEI DER LANGEN NACHT DER MUSEEN

Am 28. JANUAR
Alte Nationalgalerie: „Friedrich der Große und die Hugenotten“, 18 Uhr,
„Schach Matt – auf der Suche nach dem großen König“, 19 Uhr
Labyrinth Kindermuseum: „Friedrich für Kleine“, Familienprogramm, 17–23 Uhr.
Mach-mit-Museum: „Friedrich der Große und Kinderrechte“, Workshops, 15–22 Uhr
Berlinische Galerie: Mitmachaktion, 16–19 Uhr.
Kulturforum Potsdamer Platz: „Tartoffel statt Trüffel!“
Workshops, 19–23 Uhr.
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