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Kumpels und Präsidenten

Warum Christian Wulff Fehler gemacht hat, es aber nicht ganz einsehen will

Wenn ein Kumpel bei euch übernachtet, soll er Geld bezahlen? Wenn eure Eltern Freunde zu Gast haben – zahlen die? Wenn ihr euch Geld von einem Freund leiht, soll das verboten sein? Dreimal ein klares Nein. Freunde dürfen sich bewirten und beschenken, sie können sich auch mit Geld aus der Klemme helfen.
Wenn man Chef eines Bundeslandes ist, also Ministerpräsident, dann kann das jedoch etwas anderes sein. Dann bringt man sich schnell in den Verdacht, man könnte dem Freund auch mit Macht und Mitteln seines Amtes zu Diensten sein. Als kleine Gefälligkeit, als heimliche Gegenleistung sozusagen.
Ein kluger Ministerpräsident würde einen solchen Eindruck immer vermeiden. Auf jeden Fall ist es etwas anderes, wenn man Bundespräsident ist. Dann hat man das höchste Amt des Landes inne, man ist Staatsoberhaupt. Klar darf man Freunde haben. Aber man muss sehr vorsichtig sein, was man von ihnen annimmt. Im Zweifel sagt man lieber Nein. Die Freunde werden das verstehen.
Unser Bundespräsident Christian Wulff hat großen Ärger, weil er, noch als Ministerpräsident von Niedersachsen, von Freunden einen günstigen Kredit für seinen Hauskauf genommen hat. Und weil er gern bei Freunden Urlaub macht.
Obendrein hat er Ärger, weil er einem Chefredakteur gedroht hat, dessen Zeitung etwas über Wulffs Geschäfte mit den Freunden veröffentlichen wollte. Wulff hat sich für alles tausendmal entschuldigt. Er habe große Fehler gemacht, sagt er. Doch er sagt auch, dass man sich unter Freunden doch Geld leihen können müsste, dass man einander einladen dürfe. Das sei doch normal und gehöre zum Privatleben. So kannst Du vielleicht reden, aber der Bundespräsident sollte es besser nicht. Es zeigt, dass er nicht ganz erkennt, welche Verantwortung er hat.

Jost Müller-Neuhof
Tagesspiegel Online